03.02.2010 Berühmte Ansichten des Badischen
Ausstellung mit Fotos von Wilhelm Kratt im Museum der Stadt Weinheim noch bis 25. April
Es gibt wohl kaum ein berühmtes Gebäude in Baden, das Wilhelm Kratt (1869-1949) nicht fotografiert hat. Nicht ohne Grund galt und gilt der gebürtige Karlsruher als der „Schöpfer des Badischen Denkmälerarchivs“. Photographie und Dokumentation prägen sein Lebenswerk gleichermaßen. Auch in Weinheim an der Bergstraße drückte Wilhelm Kratt häufig auf den Auslöser seiner Kamera, hielt historische Gebäude, Denkmäler und Wahrzeichen aber auch stimmungsvolle Altstadtwinkel fest. Das war in den Jahren 1910, 1912 und 1914. Rund 60 Original-Abzüge befinden sich im Besitz des Weinheimer Stadtarchivs. Sie bilden jetzt einen Teil der Wilhelm-Kratt-Ausstellung, die im Museum der Stadt Weinheim in der Amtsgasse eröffnet wurde. Eindrücklicher sind zwar die etwa 30 Schwarz-Weiß-Fotos im Großformat, die noch bis zum 25. April im Ausstellungsspeicher des Museums zu sehen sind, darunter auch eines der Burgruine Windeck und des Weinheimer Marktplatzes. Sie sind eine Leihgabe des Stadtmuseums Karlsruhe. Dessen Leiter Dr. Peter Pretsch sprach jetzt bei der Ausstellungseröffnung, zu der Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard und Museumsleiterin Claudia Buggle zahlreiche Gäste begrüßen konnte. Aber auch die 60 Originale, sorgfältig in Glasvitrinen zurechtgelegt, sind kleine Schätze der Photographie. Der 1869 in Karlsruhe geborene Fotograf Wilhelm Kratt übernahm 1898 ein Fotoatelier in Heilbronn. Zuvor hatte er seinen Schauspielberuf wegen eines Gehör- und Lungenleidens aufgeben müssen. Schon in Heilbronn begann Kratt seine Tätigkeit als Fotograf badischer und württembergischer Baudenkmäler und die Mitarbeit an den Inventarisierungsbänden des badischen Denkmalamts. Im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. dokumentierte er damals Schloss Horneck bei Gundelsheim und wurde zum Hoffotografen ernannt. 1905 gründete er in Karlsruhe das „Institut für kunsthistorische Photographie“, aus dem allmählich sein „Badisches Denkmälerarchiv“ hervorging. Kratt bereiste die Kulturlandschaft am Oberrhein, das badische Bodenseegebiet, die Umgebung von Baden-Baden und Freiburg, dokumentierte aber auch die Architektur seiner Heimatstadt Karlsruhe und ihrer Stadtteile mit etwa 500 Aufnahmen. 1936 kaufte der badische Staat sein Lebenswerk, das bis dahin etwa 12.000 Fotoplatten umfasste. 1949 starb Kratt fast 80jährig in Karlsruhe. Am ersten Mittwoch im März, dem 3. März, 16 Uhr, widmet das Weinheimer Museum der Kratt-Ausstellung eine Begleitveranstaltung unter dem Motto: „Mittwochs im Museum“.