Verkehrsentwicklungsplan 2020


Mit dem Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2020 wurde ein Konzept erarbeitet, das den Entwicklungszielen dieser Stadt entspricht, inhaltliche Prioritäten setzt und darüber hinaus einen zeitlichen Rahmen für die Umsetzung vorgibt, der die verkehrspolitischen Dringlichkeiten und finanziellen Möglichkeiten berücksichtigt. Der Gemeinderat hat den Zielen und Maßnahmen, mit denen die Stadt bis zum Jahr 2020 die beschlossenen Ziele erreichen möchte, am 23.11.2005 einstimmig zugestimmt. Der VEP stellt alle relevanten Verkehrsthemen erstmals für die Stadt Weinheim umfassend dar und benennt diejenigen Maßnahmen, die nach Möglichkeit bis 2020 angegangen werden sollen.

Der Schwerpunkt der finanziellen Anstrengungen liegt gemäß des VEP auf Maßnahmen für den ÖPNV, insbesondere in einer Stärkung des Stadtbusverkehrs. Dabei wurde dem Paket „Hauptbahnhof und Bahnhofsumfeld" sowie dem Paket „Verbesserungen des Busverkehrs" oberste Priorität beigemessen. Mindestkriterien und Zielvorstellungen für den Busverkehr sollen sicherstellen, dass Standards eingehalten und Verbesserungen erreicht werden, aber auch keine Verschlechterungen gegenüber der Ausgangssituation eintreten. Ausgehend davon wurde eine neue Stadtbuslinienkonzeption beschlossen. Weiterhin mit erster Priorität wurden alle Maßnahmen zusammengefasst, deren Umsetzung mit relativ geringem finanziellen Aufwand möglich ist.


Leitbild Verkehr

Die Stadt Weinheim fördert eine Mobilität...

  • die den Stadtfunktionen - Wohnen, Arbeiten, Bildung, Einkauf, Freizeit - angemessene Erreichbarkeit sichert.
  • die allen gleiche Chancen einräumt - auch mobilitätsbehinderten Menschen
  • die den Verkehrsmitteln Füße, Fahrrad, ÖPNV, Auto und Verkehrsmittel-Kombinationen (P+R, B+R etc.) in unterschiedlich erschlossenen Stadtgebieten ein nach deren Stärken unterschiedliches Gewicht beimisst,
  • die für alle Verkehrsteilnehmer Gefährdungen und Beeinträchtigungen verhindert,
  • die Umweltbelastungen reduziert und
  • die Freiräume und Stadträume schafft und erhält.

Ausgangssituation, Verfahren und Ziele

Das globale Klima verändert sich, auch aufgrund der Emissionen des motorisierten Individualverkehrs (MIV). Die Bevölkerungszahlen in Deutschland nehmen ab. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt - dies hat Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten (Mobilität im Alter (533 KB)). Deswegen wird das Verkehrsaufkommen des MIV zurückgehen - nicht aber die Mobilität, d.h. das Bedürfnis und die Notwendigkeit des räumlichen Ortswechsels.

Ziel ist es demnach, Wege zu finden, um die Mobilität der Bevölkerung – auch für mobilitätsbehinderte Menschen – mit möglichst wenig Umwelt- und Umfeldbelastungen zu gewährleisten und die Erreichbarkeiten der verschiedenen Stadtfunktionen – Wohnen, Arbeiten, Bildung, Einkauf, Freizeit – angemessen zu sichern.

Verkehrsforum mit Prof. Hartmut Topp, 2005

Diese Aspekte hat die Stadt Weinheim im Vorfeld der Erstellung des VEP in einem "Verkehrsforum" diskutiert, welches den Auftrag hatte, Empfehlungen für den Gemeinderat zu erarbeiten. Hier berieten je 13 Vertreter aus Interessenverbänden und den im Gemeinderat vertretenen politischen Parteien in insgesamt 4 Sitzungen unter der Leitung von Prof. Dr. Hartmut Topp über die Rahmenbedingungen und formulierten ein "Leitbild Verkehr" sowie vier Oberziele und jeweils sechs Einzelziele (97 KB), die vom Gemeinderat einstimmig beschlossen wurden.

Die Öffentlichkeit konnte zu Beginn in einer zweimonatigen Bürgerbeteiligung eigene Wünsche, Themen und Maßnahmenvorschläge einbringen.

Diese sowie sämtliche Themen und Maßnahmen, die in den kommunalpolitischen Diskussionen der Vergangenheit eine Rolle gespielt hatten, wurden im Verkehrsforum zusammen mit den Möglichkeiten zur Erfüllung der beschlossenen Ziele sowie zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse diskutiert. Einige Maßnahmen wurden ausgeschieden, die verbliebenen wurden gegliedert nach erster Priorität (Umsetzung bis 2010), zweiter Priorität (Umsetzung bis 2020) und langfristigen Maßnahmen, deren Realisierung in den nächsten fünfzehn Jahren unwahrscheinlich erscheint. 

Alle Empfehlungen für den Gemeinderat wurden im Konsens der Teilnehmer des Verkehrsforums getroffen.


Bestandsaufnahme und -analyse

Einsteigerzahlen am Hauptbahnhof (2001, Wulfhorst a.a.O.)

Grundlagen der Planung waren Verkehrszählungen aus den Jahren 2000 und 2002. Das Verkehrsaufkommen (161 KB), die Verkehrsinfrastruktur, die Erschließung durch öffentliche Verkehrsmittel und die Mobilität der Bevölkerung wurden im VEP 2005 erstmals umfassend dargestellt.

Die aus der im Flächennutzungsplan 2004 dargestellten Siedlungsflächenentwicklung resultierende Mobilität wurde ermittelt und in einem Verkehrsmodell auf ihre Auswirkungen auf das Straßennetz untersucht. Die Analyse beschäftigte sich verkehrsmittelbezogen (Fußgängerverkehr, Fahrradverkehr, Motorisierter Individualverkehr und Öffentlicher Personennahverkehr) detailliert mit den konkreten Mängeln im Stadtgebiet.

Die Stadt konnte auch die Daten einer Doktorarbeit nutzen, welche die Verkehrsverflechtungen am Bahnhof und die Verkehrsmittelwahl der Einsteiger in die DB-Züge ermittelt hatte (Wulfhorst, 2003 „Flächennutzung und Verkehrsverknüpfung an Personenbahnhöfen“)


Maßnahmen

Den Maßnahmen, durch deren Umsetzung die Stadt die beschlossenen Ziele bis zum Jahr 2020 erreichen möchte, hat der Gemeinderat im VEP 2005 einstimmig zugestimmt. Er stellt alle relevanten Verkehrsthemen erstmals für die Stadt Weinheim umfassend dar und benennt diejenigen Maßnahmen, die nach Möglichkeit bis 2020 angegangen werden sollen.

Die beschlossenen Maßnahmen wurden tabellarisch und in Übersichtskarten dargestellt:

Karte 1: Maßnahmen für den Motorisierten Individualverkehr (254 KB)
Karte 2: Maßnahmen für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (926 KB)
Karte 3: Maßnahmen für den Fußgänger- und Radverkehr (243 KB)


Der Zentrale Omnibusbahnhof und der Bahnhofsvorplatz sind bereits realisiert, ebenso der behindertengerechte Ausbau ausgewählter ÖPNV-Haltestellen. Der weitere Haltestellenausbau wird die Stadt die nächsten Jahre noch beschäftigen.

Der DB-Haltepunkt Lützelsachsen ist bereits umgebaut, im Juli 2015 begann der Bahnsteigumbau am Hauptbahnhof. Die Planungen für einen neuen DB-Haltepunkt Weinheim-Sulzbach sowie für den Neubau des RNV-Bahnhaltepunkts "Luisenstraße" haben begonnen.

Aber auch einige Straßenbaumaßnahmen wurden bereits realisiert:
- Ausbau der Waidallee zwischen Multring und Güterbahn (2006)
- Verlegung Teilabschnitt Grundelbachstraße und Kreisverkehrsplatz (2007)
- Erschließung Lützelsachsen-Ebene (2011)
- Neugestaltung der Fußgängerzone (2012/13)
- Kreisverbindungsstraße (2014/15)

Weitere bedeutende Maßnahmen des VEP sind:
- Neubau von mindestens 150 P&R-Stellplätzen am Hauptbahnhof
- Erweiterung der Birkenauer Talstraße auf eine überbreite Fahrbahn Richtung Osten
  (von Pkw zweistreifig, von Lkw einstreifig befahrbar)
- Kreisverkehrsplatz an der Westtangente nördlich der Mannheimer Straße zur Anbindung von
  und nach Süden und zur Anbindung der Heinestraße
- Verlängerung des nördlichen Multring-Abschnittes an die Bergstraße
- Bau von ca. 100 zusätzlichen Tiefgaragen-Stellplätzen am Parkplatz Marktplatz / Hermannshof
- Sanierung und Neugestaltung der Sommergasse in Lützelsachsen


Historie

Weinheim verfügte bis 2005 über keinen Verkehrsentwicklungs- oder "Generalverkehrsplan", wie man früher sagte. Zwar hatte man sich schon bald nach dem 2. Weltkrieg über die mögliche Entwicklung der damals stark wachsenden Stadt Gedanken gemacht, aber der "Stadtentwicklungsplan mit Generalverkehrsplan" von 1968 wurde nie beschlossen.

Dieser Planentwurf sah zwei "Stadtdurchbrüche" vor: Die 1969 eröffnete vierspurige B 38 sollte Richtung Osten entlang der Weschnitz verlängert und nördlich des Bahnhofs über die Bahnanlagen an die Birkenauer Talstraße angebunden werden (siehe Auszug Nord (1 MB)). Zum anderen sollte eine Verlängerung der Ahornstraße durch die heutige "Mult" mit Überführung über die Bahnanlagen südlich des OEG-Bahnhofs die Weststadt an die heutige Kopernikusstraße und somit an die Innenstadt anbinden und über die Grabengasse(!) weiter ins Gorxheimer Tal führen (siehe Auszug Süd (1,1 MB)).

Heute können wir uns glücklich schätzen, dass diese Planungen nie realisiert wurden, denn dieser Plan wurde bald Makulatur. Seine Annahmen unterschätzten die tatsächliche Entwicklung der Bevölkerung, vor allem aber die der Motorisierung. Die Planungen der "autogerechten Stadt" in den 1970er Jahren, mit der man mit der rasanten Verkehrsentwicklung Schritt halten wollte, schossen dann aber über das Ziel hinaus: Der Friedrich-Ebert-Ring oder der Multring sind Beispiele hierfür.

Eigentlich problematisch in Weinheim war aber weniger der Verkehr in den Wohngebieten, sondern die Verkehrsbelastung in der Innenstadt. Jahr für Jahr pendelten mehr Berufstätige aus dem Odenwald mit dem Auto nach und durch Weinheim zu den Arbeitsplätzen der Region. Es war jedoch auch in mehreren Anläufen 1979, 1986 und 1993 politisch nicht durchsetzbar, den immer stärker werdenden Verkehr in der Innenstadt zu begrenzen. Erst ab 1999 konnte der lang ersehnte „Saukopftunnel“ die verkehrliche Situation vor allem im Birkenauer Tal und in der Innenstadt etwas entlasten.




Weiterführende Informationen

Gesamttext VEP - Internetversion (gekürzt um Abbildungen) (815 KB)

Tabellarische Darstellung der Oberziele, Teilziele und Maßnahmen (97 KB)

Maßnahmen für den Motorisierten Individualverkehr (254 KB)

Maßnahmen für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (926 KB)

Maßnahmen für den Fußgänger- und Radverkehr (243 KB)

Verkehrsbelastungen 2000 (161 KB)

Der komplette Verkehrsentwicklungsplan ist gegen eine Schutzgebühr von 20 € (bzw. CD 10 € ) beim Amt für Stadtentwicklung erhältlich.

Anschrift

Stadt Weinheim
Amt für Stadtentwicklung

Obertorstraße 9
69469 Weinheim

Ansprechpartner

Frau Höft
Tel.: 06201 / 82 -212
t.hoeft@weinheim.de

Hier finden Sie uns:
Rathaus / Schloss
Eingang D, 3. OG
Zimmer 401

Anfahrtsplan (295 KB)


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