Feuerwehr wird immer beliebter

Das Führungsteam der Weinheimer Feuerwehr 

Landauf landab klagen Freiwillige Feuerwehren über Personal- und Nachwuchsmangel. Nicht aber in Weinheim. Gute Arbeitsbedingungen, erfolgreiche Einsätze, aber auch eine hohe Bekanntheit und originelle Auftritte zeigen ihre Wirkung, wie jetzt Feuerwehrkommandant Ralf Mittelbach mit seinem Führungsteam beim Bilanz-Pressegespräch im Feuerwehrzentrum bestätigte. Die aktive Feuerwehr besteht im Moment aus 294 Mitgliedern, die im Einsatz bestehen können – das sind 18 mehr als im Vorjahr.

57 Einsatzkräfte sind Frauen (Vorjahr 46). Wie Mittelbach und seine Stellvertreter Thomas Keller und Matthias Bente beschrieben, stoßen immer wieder Quereinsteiger zur Wehr – vor allem zahlt sich aber die gute Jugendarbeit aus. Über eine Social-Media-Kampagne und eine lustige Sticker-Aktion bringt sich die Feuerwehr immer wieder bei Jugendlichen ins Gespräch, betonte auch Feuerwehrsprecher Claus Schmitt. Die Jugendfeuerwehr zählt heute 112 Mitglieder, die Kinderfeuerwehr weitere 53 künftige Feuerwehrleute.
Mittelbach sowie Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Andreas Buske betonten, dass jedes Feuerwehrmitglied auch ein Werbebotschafter für die Feuerwehr ist – und im besten Sinne des Wortes „ansteckend“. Nicht nur die Menge, auch die Qualität der Ausbildung ist beachtlich, beschrieb Mittelbach: Die Zahl der Atemschutzträger im Einsatz ist von 153 auf 166 Personen gestiegen, es gibt 40 ausgebildete Gruppenführer und 44 Zugführer.
 
„Ein Baustein der Wohlfühlstadt“
 
Zur Jahresbilanz 2025 erklärte Mittelbach: „Das Jahr war geprägt von hoher Einsatzdichte und zunehmender Komplexität.“ Er betonte aber auch die Stellung der Feuerwehr als gesellschaftliche Kraft, die besonders im Jahr der Heimattage spürbar war. Die Freiwillige Feuerwehr, so der Kommandant, sei Teil dieser Stadt. Er beschrieb: „Ein wichtiger Baustein unserer Wohlfühlstadt, bei dem die Bewohner, die hier leben und arbeiten Verantwortung übernehmen.“ Man blicke auf ein Jahr, „in dem die Zusammenarbeit besonders gut getragen hat“.
Mittelbach und Buske verwiesen auf die gelungene Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr und der Stadt Weinheim. Gemeinsam konnte man die Ersatzbeschaffung von drei Mannschaftstransportwagen auf den Weg bringen. Zudem beteiligt sich die Feuerwehr an der landesweiten Sammelbeschaffung von zwei Fahrzeugen über das Land Baden-Württemberg.
Mit dem Bundeskongress des Netzwerks Feuerwehr Frauen habe die Feuerwehr Weinheim ein klares Zeichen gesetzt. Auch Buske bescheinigte: „Die Veranstaltung war fachlich stark und hat wichtige Impulse für mehr Frauen in der Feuerwehr gegeben.“ Man habe dabei auch gemerkt, wie fortschrittlich Weinheim bei diesem Thema ist.
Im Jahresbericht stehen 824 Einsätze, das sind etwas weniger als im Jahr zuvor. Neben den Einsätzen im Weinheimer Stadtgebiet wurde die Wehr zu 16 Überlandhilfen außerhalb der Stadtgrenzen gerufen. Benötigt wurde die Wehr bei fast 300 Hilfeleistungen und fast 100 Brandeinsätzen, genauso oft wurden Helfer vor Ort benötigt, zum Beispiel bei Polizei- oder Rettungsdiensteinsätzen. Fast 40 Mal wurde die Feuerwehr zu einem psycho-sozialen Notfall gerufen. Fast 130 Mal wurden Feuerwehrleute bei Veranstaltungen für Sicherheitswachen eingesetzt.
 
Prävention für Sicherheit
 
Aber die Einsätze sind nur eine Herausforderung, Prävention und Sicherheit sind andere. „Ein klarer Schwerpunkt lag im vergangenen Jahr auf dem Ausbau des Bevölkerungsschutzes, wir haben dieses Thema bewusst gestärkt und strukturell weiterentwickelt“, berichteten Mittelbach und Schmitt. So konnte die Wehr in Person von Thorsten Gutschalk einen ausgewiesenen Fachmann für den Bevölkerungsschutz ins Team holen. Er unterstützt die Führung bei Konzepten, Analysen und der strategischen Weiterentwicklung dieses Themenfeldes.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Brandschutzaufklärung, denn Prävention sei ein zentraler Bestandteil der Sicherheit. Fast 500 Kinder und Jugendliche wurden im vergangenen Jahr geschult. Hinzu kamen Angebote für Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Menschen mit Behinderung.
Es gehe um die Frage, wie gut Weinheim auf größere Schadenslagen vorbereitet ist, etwa Naturereignisse oder langandauernde Einsatzlagen. In diesem Zusammenhang wird unter anderem auch die Abdeckung der Sireneninfrastruktur überprüft, betonte Mittelbach.
Sein Fazit: „2025 hat erneut gezeigt, dass Sicherheit keine Selbstverständlichkeit ist. Sie entsteht durch Vorbereitung, Ausbildung, Engagement, Ehrenamt und Zusammenarbeit. Unser Anspruch ist klar. Wir wollen für die Bürgerinnen und Bürger in Weinheim da sein, wenn sie uns brauchen. Verlässlich, professionell und abgestimmt. Im Einsatz, in der Vorsorge und im Bevölkerungsschutz.“