Vorfahrt für große Bäume

Mit einem speziellen Hammer klopft Rafael Schleweis, der Weinheimer Baumexperte, an die raue Rinde des alten Gehölzes. „Das hört sich noch ganz gut an“, findet er. Die Betonung liegt auf: noch. Damit das so bleibt, verbessert die Stadt jetzt in den nächsten Wochen die Standbedingungen für eine Reihe alter Schnurbäume am Fuße des Schlossbergs, einem Entree für Besucher auf dem Weg hinauf zu den beiden Burgen.

Die alten Schnurbäume sind sicher über 80 Jahre alt, schätzt der Baumexperte; sie standen dort schon zu Zeiten des alten Krankenhauses. Sie sind erstaunlich kräftig, rund 20 Meter hoch – sie spenden Schatten und frische Luft. Und sie verleihen der Auffahrt sogar das Aussehen eines kleinen Waldes.
In Zeiten des Klimawandels machen manche Städte wie Weinheim so ziemlich alles möglich, um ihre alten Stadtbäume zu erhalten. In Weinheim wird dazu am Wachenberg sogar eine neue Verkehrsregelung eingeführt. Auf der Höhe der Baumreihe soll die Straße einspurig verlaufen, etwa 20 Meter lang, so dass die Bäume mehr Platz haben. Wechselnde Haltepunkte sollen trotzdem einen fließenden Verkehr ermöglichen. Die Weinheimer Verkehrsplanung hat dazu extra ein Konzept entwickelt.
Ohne diese Änderung, so weiß auch Rafael Schleweis, würden die Wurzeln der alten Bäume auch weiterhin Gehwegkante und die Straße aufreißen – was wiederum Kosten verursacht und gefährliche Stolperstellen entstehen lässt. Die Anwohner auf beiden Seiten der Straße, so Schleweis, wurden in die Überlegungen eingebunden und freuen sich, dass ihr Straßengrün erhalten bleibt – dass dann sicher langsamer gefahren wird, gefällt ihnen auch. Nur ein Baum direkt an der Tiefgaragenausfahrt muss der zusätzlichen Verkehrssicherheit weichen. Selbstverständlich bleibt eine Straßenbreite von vier Metern erhalten, auch für Rettungswagen und Busse. Im Laufe dieser Woche sollen die Arbeiten schon beginnen. Schleweis schildert, dass Asphalt und Pflaster rund um die Bäume in Handarbeit und „wurzelschonend“ abgetragen werden, bevor der Boden renaturiert wird. Denn im besten Fall werden die alten Gehölze weitere 80 Jahre alt. Auch während der Bauarbeiten bleibt stets eine Spur frei.
