Rückenwind für bessere Startchancen

Auch die Zweiburgenschule bekommt eine Startchancen-Förderung

Die Weinheimer Bildungskette, sie hält. Der Kinder- und Jugendbeirat, der den Weinheimer Gemeinderat in Fragen der kommunalen Bildungspolitik berät, hat in seiner Sitzung am Mittwoch klare Empfehlungen an das Hauptorgan ausgesprochen, das in seiner nächsten Sitzung am 21. Oktober nun die dazugehörigen Beschlüsse zu treffen hat. Es geht im Wesentlichen um zwei Bildungsförderprogramme, den Weinheimer Anteil daran und die nötigen Komplementärmittel.
 

Zum einen um das Startchancen-Programm. Es zielt auf verbesserte Zustände in der Lernumgebung des Unterrichts ab, also zum Beispiel bessere und alternative Lernräume, mehr Schatten auf dem Schulhof, eine neue Schülerbibliothek und ein Frühstücksangebot – Weinheim bewirbt sich mit der Dietrich-Bonhoeffer-Werkrealschule und der Zweiburgenschule.
Wie Bildungsamtsleiterin Carmen Harmand in der Beiratssitzung betonte, richtet sich das ihrer Einschätzung nach sehr praktikable Programm gezielt an Schulen, die aufgrund ihrer Rahmenbedingungen vor besonderen Herausforderungen stehen. Es soll Bildungschancen gerechter machen und vor allem die grundlegenden Fähigkeiten in Deutsch und Mathematik stärken. Bund und Land stellen dafür in Baden-Württemberg über zehn Jahre rund 2,6 Milliarden Euro bereit.
In Weinheim kommen die Grundschule der Zweiburgenschule und die Werkrealschule der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Frage. Allein für Investitionen in eine bessere Lernumgebung steht den beiden Schulen ein Budget von gut zwei Millionen Euro zur Verfügung. Auf die Zweiburgenschule entfallen rund eine Millionen Euro, auf die Dietrich-Bonhoeffer-Schule rund 995 000 Euro. Von den förderfähigen Kosten übernimmt das Programm 70 Prozent, die Stadt trägt 30 Prozent. Daher müssen auch in Weinheim die politischen Gremien beraten.
 
Neue Räume und Hitzeschutz
 
Konkret: An der Dietrich-Bonhoeffer-Werkrealschule soll ein Mehrzweckraum geteilt und neu gestaltet werden. So entstehen zwei flexibel nutzbare Räume für Unterricht und pädagogische Angebote. Hinzu kommt eine Versorgungsküche mit Ausgabe. Sie soll ein regelmäßiges Frühstücksangebot ermöglichen und zugleich einen neuen Treffpunkt für Schülerinnen und Schüler schaffen.
An der Zweiburgenschule spielt der Hitzeschutz eine wichtige Rolle. Außenjalousien sollen verhindern, dass sich das Gebäude während längerer Hitzeperioden zu stark aufheizt. Auch auf dem Schulhof sollen zusätzliche Schattenplätze entstehen.
Ein weiteres Projekt löst ein Platzproblem: Wegen gestiegener Schülerzahlen musste die bisherige Schülerbibliothek als Klassenzimmer genutzt werden. Gleichzeitig braucht die geplante Juniorklasse einen eigenen Raum. Mit zusätzlichen Raumkapazitäten von bis zu 50 Quadratmetern sollen deshalb wieder Platz für Bibliothek, Sprach- und Leseförderung sowie die Juniorklasse geschaffen werden. Außerdem soll die Mensa zu einem ganztägig nutzbaren Kinderbistro weiterentwickelt werden.
Für die derzeit vorgesehenen förderfähigen Maßnahmen werden insgesamt rund 740 000 Euro veranschlagt. Davon soll die Stadt nach aktuellem Stand rund 223 000 Euro tragen. Erwartet werden Zuschüsse von rund 518 000 Euro.
 
„AVdual“ – eine Erfolgsgeschichte
  
Zum anderen ging es um ein Bildungsprogramm des Landes, das den Bogen von der Schule ins Berufsleben spannt. Die AVdual-Begleitung am Weinheimer Berufsschulzentrum soll auch in den Schuljahren 2027/28 und 2028/29 fortgesetzt werden. „AVdual“ ist Teil des Landesmodellversuchs zur Neugestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf. In Weinheim wird der Bildungsweg am Berufsschulzentrum des Kreises von der Regionalen Jugendagentur „Job Central“ umgesetzt. Wie Job-Central-Geschäftsführer Ante Rasic in der Sitzung bestätigte, zeigt AV dual trotz der schwierigen, extrem heterogenen Schülerschaft in Weinheim große Erfolge:  Rund 90 Prozent aller Jugendlichen verlassen die Schule mit deutlich verbesserter Berufsorientierung und geklärtem Anschluss. Ohne das Programm, so die Fachleute, verfestigt sich ein Schulvermeidungsverhalten. Viele Schülerinnen und Schüler leiden unter psychischen Erkrankungen und weisen dadurch dadurch oft überdurchschnittliche Fehlzeiten auf. AVdual-Absolventen sammeln über Betriebspraktika wichtige Erkenntnisse und erste berufspraktische Erfahrungen. Etwa 20 Prozent schaffen es, danach direkt in Ausbildung zu gehen, oft im Praktikumsbetrieb.

Voraussetzung für die Fortsetzung ist allerdings, dass auch die Finanzierung steht, das wurde auch im Beirat betont. Der Rhein-Neckar-Kreis muss seine Kofinanzierung verbindlich zusagen, außerdem muss das Land die weitere Förderung bewilligen. Die Stadt soll ebenfalls ihren Anteil tragen und dafür in den Haushaltsjahren 2027 bis 2029 die erforderlichen Mittel bereitstellen. Pro Schuljahr kostet die Umsetzung des Programms in Weinheim am Berufsschulzentrum des Kreises rund 490 000 Euro, rund 180 000 Euro kommen vom Land, den Rest – jeweils rund 153 000 Euro – sollen die Stadt und der Rhein-Neckar-Kreis tragen. So war das auch in den zurückliegenden Jahren geregelt. Einige Gemeinderatsmitglieder ließen durchblicken, dass sie eine Zustimmung im Gremium durchaus von der Zusage des Landkreises als Schulträger abhängig machen wollen. Grundsätzlich aber sei AVdual ein wichtiges Glied der Weinheimer Bildungskette für mehr Chancengleichheit in der Bildung.
 
Zuschuss für die „Sonne“
 
Auch die evangelische Kita Sonne in der Albert-Ludwig-Grimm-Straße beschäftigt den Kinder- und Jugendbeirat. Dort tritt nach Angaben des Trägers in den Kita-Räumen an der Decke zu den Fenstern teilweise massiv Feuchtigkeit auf. Die Evangelische Kirchengemeinde will deshalb die Fensterfassade sanieren und hat bei der Stadt einen Baukostenzuschuss beantragt. Ein solcher steht den konfessionellen Einrichtungen laut Gemeinderatsbeschluss zu. Die Stadt soll davon 70 Prozent der Sanierungskosten von 96 000 Euro übernehmen, also rund 67 000 Euro. Bei der Evangelischen Kirchengemeinde verbleiben rund 29 000 Euro. Auch hier sprach der Beirat eine klare Empfehlung aus.
Sabine Michael, die Leiterin des Weinheimer Bildungsbüros, berichtete im Beirat von einer sehr erfolgreichen Fachveranstaltung zum Thema „Fakt statt Fake“ und dass daraus eine stadtweite Kampagne zum vorsichtigen Umgang mit KI und den Medien folgen soll.
 
Weitere Infos zur Tagesordnung unter: https://weinheim-sitzungsdienst.komm.one/bi/info.asp