Jüdische Spuren sichtbarer machen

Am 22. Oktober organisieren Weinheimer Gruppen mit dem Stadtarchiv einen Besuch von „Stolpersteinen“ rund um den Rodensteiner Brunnen

Am 22. Oktober jährt sich wieder ein dunkles Datum in der Weinheimer Stadtgeschichte. Am 22. Oktober 1940 wurden über 6500 pfälzische und badische Juden von den Nazis verhaftet, in Züge verfrachtet und in das Internierungslager Gurs am Fuße der südfranzösischen Pyrenäen verschleppt.Zur Erinnerung an die deportierten und ermordeten Weinheimer und Lützelsachsener Juden wurden im Stadtgebiet rund 50 so genannter „Stolpersteine“ verlegt vor den Häusern, in denen die Menschen einst wohnten und arbeiteten. Die „Stolpersteine“ sind kleine aus dem Pflaster herausgehobene Gedenksteine für die deportierten Personen.Ein Organisationsbündnis, bestehend aus dem Weinheimer Stadtarchiv, „Weinheim bleibt bunt“, den Grünen sowie dem „Freundeskreis Weinheim-Ramat Gan“ lädt die Bevölkerung am Jahrestag der Deportation zu einem Spaziergang zu den „Stolpersteinen“ im historischen Viertel rund um den Rodensteiner Brunnen ein.Stadtachivarin Andrea Rößler beschäftigt sich seit Jahren mit den Spuren jüdischer Geschichte in Weinheim und hat bereits gemeinsam mit Erika Heuser eine Broschüre über die Stolpersteine herausgebracht.„Angesichts eines abscheulichen und leider wieder wachsenden Antisemitismus, auch in Deutschland“, so die Sprecher von „Weinheim bleibt bunt“, sei es besonders wichtig, an die Geschichte der Juden in Deutschland zu erinnern. Vorgesehen ist es, die Stolpersteine vor den ehemaligen Häusern von vertriebenen Juden zu besuchen, sie symbolisch zu reinigen und dabei an die betroffenen Menschen zu erinnern.Teilnehmer sind neben Oberbürgermeister Michael Möslang auch Vertreterinnen und Vertreter des Jugendgemeinderates sowie Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums mit ihrem Geschichtslehrer Konrad Fink.Der Spaziergang zu den Stolpersteinen beginnt am Donnerstag, 22. Oktober, um 16 Uhr direkt am Rodensteiner Brunnen. Angesteuert werden dann Stationen im Umfeld. In der Hauptstraße 17 haben Emma Lehmann und Friederike Oppenheimer gelebt. Ihnen wird mit einem Stolperstein ebenso gedacht wie Max Neu, Hannchen Neu, Heinrich Weil und Christine Weil in der Hauptstraße 28. Aus der Tannenstraße 13 wurden Ludwig und Karolina Altstädter deportiert, aus der Lindenstraße die Familie Oppenheimer (Louis, Henny und Regina) sowie Salomon Marx, Therese Marx, Heinrich Rosenberg und Selma Rosenberg aus der Friedrichstraße 5. Eine Teilnahme an der Gedenkveranstaltung ist ohne Anmeldung möglich und kostenlos.