Die Blücherstraße verändert sich

Aus alt mach neu. Und aus 29 Wohnungen werden 49. Die Baugenossenschaft 1911 Weinheim will im Bereich der Blücherstraße und Yorckstraße ein ganzes Wohnquartier erneuern. Acht Mehrfamilienhäuser sollen die bisherigen Reihenhäuser ersetzen, die zum Teil mehr als 100 Jahre alt sind. Das Projekt ist eines der größeren Wohnbauvorhaben im Sanierungsgebiet „Westlich Hauptbahnhof“. Am Mittwoch, 21. Oktober, in seiner öffentlichen Sitzung, die um 18.30 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses beginnt, entscheidet der Weinheimer Gemeinderat über eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung.
20 Wohnungen mehr als vorher
Dabei geht es um die Anwendung des sogenannten „Bauturbos“. Die neuen gesetzlichen Möglichkeiten erlauben es den Kommunen, unter bestimmten Voraussetzungen Wohnbauprojekte schneller zu ermöglichen, auch wenn sie von den bisherigen baurechtlichen Vorgaben abweichen. Genau das ist an der Blücherstraße der Fall.
Die Baugenossenschaft plant sieben Mehrfamilienhäuser im Bereich Blücherstraße 11 bis 43 und Yorckstraße 8 bis 16. Ein weiteres Gebäude soll an der Blücherstraße 3 bis 7 entstehen. Insgesamt sind 49 Wohnungen vorgesehen, 20 mehr als bisher. Die neuen Häuser erhalten drei Vollgeschosse, teilweise kommt ein zurückgesetztes Staffelgeschoss hinzu.
Die Gebäude werden damit höher als die bisherigen Reihenhäuser. Außerdem sollen die Baukörper teilweise quer zur Straße stehen. Dadurch entsteht eine offenere Bebauung mit größeren Zwischenräumen. Nach Auffassung der Stadtverwaltung fügt sich das Konzept trotz der größeren Gebäude städtebaulich verträglich in das Quartier ein. Die Verwaltung begrüßt das Vorhaben ausdrücklich.
Soziales und Klimaschutz
Allerdings knüpft die Stadt ihre Zustimmung an Bedingungen. Diese sind in einem städtebaulichen Vertrag mit der Baugenossenschaft festgelegt. So müssen mindestens zwei Sozialwohnungen und zwei weitere Wohnungen mit gedämpften Mieten entstehen. Für diese Wohnungen gelten Mietbindungen über 25 Jahre. Die Baugenossenschaft möchte darüber hinaus zwei weitere Wohnungen öffentlich fördern lassen.
Auch beim Klimaschutz gibt es Vorgaben. Die Neubauten müssen Photovoltaikanlagen erhalten, mindestens 70 Prozent der Dachflächen sollen begrünt werden. Hinzu kommen neue Bäume und ein abgestimmtes Stellplatzkonzept einschließlich eines Carsharing-Stellplatzes. Das gesamte Bauprojekt soll bis Ende 2031 umgesetzt sein.
Mit den Neubauten soll sich auch die Blücherstraße verändern. Die Stadt plant, sie zu einem verkehrsberuhigten Bereich umzugestalten. Fußgänger, Radfahrer und Autos würden sich künftig die Verkehrsfläche teilen. Das bisherige Gehwegparken soll durch markierte Stellplätze ersetzt werden. Grünflächen und Sitzgelegenheiten sollen die Straße aufwerten.
Hintergrund ist auch der schlechte Zustand der Straße. Gleichzeitig müssen Wasserleitungen erneuert, Kanäle erweitert und Anschlüsse an das Wärmenetz geschaffen werden. Für die Umgestaltung der Verkehrsflächen sind im städtischen Haushalt 1,2 Millionen Euro vorgesehen, denen beantragte Zuschüsse von 334 000 Euro gegenüberstehen.
Bei einer Bürgerinformation im Juli waren die Pläne grundsätzlich positiv aufgenommen worden. Allerdings gab es auch Fragen zu Baustellenverkehr, Lärm und Parkmöglichkeiten. Diese Hinweise sollen in die weitere Planung einfließen.
Stimmt der Gemeinderat dem städtebaulichen Vertrag und der Anwendung des Bauturbos zu, ist eine wesentliche Voraussetzung für die Genehmigung des Vorhabens geschaffen. Die eigentliche Baugenehmigung steht damit noch aus.

Viel Heimatgefühl und Tausende Besucher
Rund 250 Veranstaltungen, Tausende Besucher, ein Landesfestumzug mit mehr als 2000 Mitwirkenden – und am Ende eine Rechnung über rund 880 000 Euro. Ein gutes Jahr nach den Heimattagen 2025 zieht die Stadt Weinheim jetzt offiziell Bilanz. Der Abschlussbericht liegt dem Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch, 21. Oktober, zur Kenntnisnahme vor. Das Fazit der Verwaltung fällt positiv aus, auch wenn das anfängliche Budget nicht ganz ausgereicht hat.
Unter dem Motto „Heimat ist ein Gefühl“ hatte Weinheim 2025 ein ganzes Jahr lang gefeiert. Höhepunkte waren der Baden-Württemberg-Tag im Mai mit Gewerbeschau, SWR1-Pfännle und einem Konzert von Laith Al-Deen sowie die Landesfesttage im September. Allein beim großen Festumzug säumten nach Schätzungen rund 10 000 Menschen die Straßen.
Die Kosten sind ein wesentlicher Teil des Abschlussberichts. Ursprünglich wollte die Stadt mit einem eigenen Budget von 200 000 Euro für das operative Geschäft auskommen, dazu kamen Landeszuschüsse und Sponsoring-Gelder. Vor allem die verschärften Sicherheitsanforderungen trieben die Ausgaben in die Höhe. Allein die vom Land vorgegebenen Veranstaltungen kosteten rund 725 000 Euro. Insgesamt blieb Weinheim nach Angaben der Verwaltung dennoch deutlich unter den Ausgaben anderer Heimattage-Städte.
Die Verwaltung sieht den eigentlichen Erfolg der Heimattage aber nicht nur in den Besucherzahlen. Zahlreiche Vereine, Organisationen und Privatpersonen beteiligten sich. Schulen und Kindergärten beschäftigten sich mit dem Heimatbegriff. Und manches bleibt: etwa der „Woinemer Rundweg“, die Mundart-Audioführung „Woinemer Gschischde“, der Liederweg in den Odenwald-Ortsteilen oder die Weinheim-Bänke.
Auch touristisch hätten die Heimattage nachhaltig gewirkt, heißt es im Bericht. Die landesweite Medienpräsenz habe Weinheim bekannter gemacht. Besucherfrequenzmessungen zeigten, dass dieser Effekt über das Festjahr hinaus anhalte.
Stadtwerke bringen 400 000 Euro
Die Stadtwerke Weinheim zahlen für das Geschäftsjahr 2025 rund 400 000 Euro Gewinn an die Stadt aus. Über den Jahresabschluss und die Verwendung des Gewinns entscheidet der Gemeinderat ebenso in seiner Sitzung am Mittwoch.
Die Stadt Weinheim hält knapp 60 Prozent der Anteile an den Stadtwerken. Weitere Gesellschafter sind die EnBW mit gut 39 Prozent und die Gemeinde Gorxheimertal mit rund einem Prozent.
Vom Bilanzgewinn werden 400 000 Euro in die Rücklagen der Stadtwerke eingestellt. Die Stadt hat ihren Gewinnanteil bereits zu 90 Prozent erhalten. Rund 360000 Euro wurden Mitte Juli überwiesen. Der Rest steht noch aus.
Der Aufsichtsrat hat den Jahresabschluss bereits im Juli gebilligt. Jetzt soll der Gemeinderat Oberbürgermeister Michael Möslang ermächtigen, in der Gesellschafterversammlung dem Abschluss und der Gewinnverwendung zuzustimmen. Außerdem sollen Geschäftsführung und Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2025 entlastet werden.
Mehr Geld für bessere Bildung
Bessere Lernräume, mehr Schatten auf dem Schulhof und ein guter Start ins Berufsleben: Die Stadt Weinheim will ihre Bildungskette weiter stärken. Gleich zwei Förderprogramme stehen deshalb am Mittwoch, 21. Oktober, auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Der Kinder- und Jugendbeirat hat bereits seine Zustimmung empfohlen.
Beim bundesweiten Startchancen-Programm geht es um bessere Lernbedingungen an der Dietrich-Bonhoeffer-Werkrealschule und der Zweiburgenschule. Geplant sind unter anderem neue Unterrichtsräume, eine Versorgungsküche für ein Frühstücksangebot, Hitzeschutz und zusätzliche Räume für eine Schülerbibliothek und die Sprachförderung. Die Investitionen kosten nach derzeitiger Planung rund 740 000 Euro. Bund und Land übernehmen davon 70 Prozent, die Stadt rund 223 000 Euro.
Das zweite Programm heißt AVdual und soll Jugendlichen den Übergang von der Schule in den Beruf erleichtern. Rund 90 Prozent der Teilnehmer verlassen nach Angaben des Trägers Job Central die Schule mit einer geklärten beruflichen Perspektive. Etwa jeder Fünfte beginnt direkt eine Ausbildung. Das Programm soll für zwei weitere Schuljahre fortgesetzt werden. Voraussetzung ist, dass Land und Rhein-Neckar-Kreis ihre Finanzierungsanteile zusagen. Auf die Stadt entfallen jährlich rund 153 000 Euro.
Außerdem entscheidet der Gemeinderat über einen Zuschuss von rund 67 000 Euro für die Sanierung der Fensterfassade der evangelischen Kita Sonne. Dort sind Feuchtigkeitsschäden aufgetreten.
Lützeltreff hat sich etabliert
Aus einer Idee ist ein lebendiger Treffpunkt geworden: Der „Lützeltreff“ im ehemaligen Evangelischen Gemeindehaus in Lützelsachsen hat sich als Begegnungsort etabliert. Darüber wird der Gemeinderat am Mittwoch, 21. Oktober, informiert. Die Stadt hatte das Projekt „Hier macht was auf“ Anfang 2024 mit einer Anschubfinanzierung von 50 000 Euro unterstützt. Inzwischen zählt der Betreiberverein rund 60 Mitglieder. Angebote wie das Donnerstagscafé, das Reparaturcafé, Kreativkurse und Kulturveranstaltungen finden regen Zuspruch. Weitere 85 000 Euro konnten über ein Landesförderprogramm eingeworben werden. Die nächste Herausforderung ist nun, den Betrieb langfristig finanziell und organisatorisch zu sichern. Dafür könnten weitere Fördermittel und möglicherweise erneut eine Beteiligung der Stadt erforderlich werden.
Weitere Punkte der Tagesordnung sind unter anderem die Aufarbeitung der kommunalen Anlagenbuchhaltung und der Jahresabschlüsse der Jahre 2022 bis 2026. In der Sitzung wird auch Raum für eine Bürgerfragestunde geschaffen.
Zur kompletten Tagesordnung: https://weinheim-sitzungsdienst.komm.one/bi/si0057.asp?__ksinr=3319
