„Eine wunderschöne kulturelle Vielfalt“

Kulturbürochef Tobias Schindler mit der Kultursommer-Kinderkulturkuh

Die Zweiburgenstadt baut ihre Rolle als kulturelles Zentrum in der Metropolregion weiter aus. Tobias Schindler, der Leiter des Weinheimer Kulturbüros, nutzte in dieser Woche den Kulturausschuss der Stadt, um erste Einblicke in das Kulturprogramm des Jahres 2027 zu geben. Die interessierten Bürgerinnen und Bürger werden mehr über das Programm im Rahmen einer öffentlichen Präsentation erfahren, die am Donnerstag, 12. November (17 Uhr im Bürgersaal des Alten Rathauses) stattfindet. Im politischen Gremium wurde der Schleier jetzt schon einmal ein bisschen gelüftet.

Die Resonanz war sehr positiv. „Eine wundervolle Vielfalt“, bescheinigte Oberbürgermeister Michael Möslang. „Damit ist wieder der Beweis erbracht, dass Weinheims Kultur alles andere als verstaubt ist“, hieß es anerkennend am Ratstisch. Oder so: „Das ist genau die Art von Kultur, die Weinheim anbieten sollte.“
 
Auf Nachfrage konnte Tobias Schindler bestätigen, dass der Kulturetat des Jahres 2027 im Großen und Ganzen im Rahmen des Jahres 2024 bleibt – das war das vor dem Ausnahmejahr der Heimattage Baden-Württemberg.
In derselben Sitzung beriet der Ausschuss auch bereits den Kulturetat des Jahres 2028, genauer: einen Rahmenplan für das Haushaltsjahr 2028. Der lange Vorlauf ist nötig, weil heute schon Verträge mit Künstlern geschlossen werden müssen. OB Möslang schlug auch den Bogen zum Nutzen der Kultur für Wirtschaft und Handel in der Stadt. Das Kulturangebot locke Menschen aus der Region nach Weinheim, helfe Gastronomie und Einzelhandel.

Zum Landesjubiläum gibt es wieder eine Popnacht


Stadthalle rückt in den Fokus
 
Tobias Schindler legte dar, dass zwei Jubiläen das Kulturjahr 2027 prägen: Erstens das 75-jährige Bestehen des Landes Baden-Württemberg im April. Das landesweite Festwochenende wird man in Weinheim mit einem kleinen Festival begleiten, unter anderem mit einer Weinheimer Pop-Nacht, bei der junge Künstler der Mannheimer Pop-Akademie auftreten.
 
Das zweite Jubiläum widmet sich dem 100. Geburtstag der Weinheimer Stadthalle. Im September wird es ein Veranstaltungswochenende mit Festakt, Tanzabend und weiteren Veranstaltungen geben. Die Stadthalle rückt auch beim Kultursommer 2027 mehr in den Fokus. Weil im Schlosshof Sanierungsarbeiten geplant sind, dient der Stadthallen-Parkplatz als Standort für publikumsträchtige Veranstaltungen des Kultursommers, der ebenso durch Stadt- und Ortsteile wandern wird. Auch der Platz am Blauen Hut im Schlosspark wird überwiegend mit Familien – und Kinderprogramm bespielt. Das ganzjährige Bühnenprogramm in der großen Stadthalle und auf der gemütlichen Studiobühne beeindruckt wieder mit der großen Vielfalt der Genres und Besonderheiten.
 
Tobias Schindler und seinem Team ist es gelungen, einige kulturelle Leckerbissen nach Weinheim zu holen. Die Theatersaison beginnt zum Beispiel mit einer Neu-Inszenierung des Literaturklassikers „Im Westen nichts Neues“, ein Highlight gibt sicher auch das Solo-Stück, in dem der Schauspieler Dominique Horwitz, Goethes Faust I interpretiert. Auch Kammermusik auf höchstem Niveau und historische Theater wie eine Fortsetzung der „Brüder Hirsch“ ist wieder vorgesehen, sowie ein umfassendes Kinderprogramm, aber auch mutig-kreative Angebote wie eine Techno-Party.
Auch die Lesungen mit Profi-Schauspielern, die aus im Museum aus Klassikern der Literaturgeschichte vorlesen, werden wieder angeboten.
 

Auch die Lesungen im Museum behalten ihren Platz

290 000 Euro für Kulturveranstaltungen
 
Wie der Gemeinderat am 18. November, bekam jetzt zunächst der Ausschuss einen Einblick in die Planungen des Jahres 2028 – und was es kosten wird. Dabei spannt das Kulturbüro den roten Faden weiter.
Insgesamt sieht der Rahmenplan Veranstaltungen einen Etat von rund 290 000 Euro vor. Dem stehen erwartete Einnahmen von etwa 90 000 Euro gegenüber. Der städtische Finanzierungsbedarf liegt damit bei rund 200 000 Euro. Ein Schwerpunkt bleibt das Theater. Unter dem bewährten Titel „Weinheim macht Theater“ sind acht Produktionen in der Stadthalle geplant, vom klassischen Schauspiel bis zum Musiktheater. Dabei will das Kulturbüro die Zusammenarbeit mit den drei baden-württembergischen Landestheatern ausbauen. Auch eine Aufführung mit direktem Weinheimer Bezug, die aus der Stadt heraus entsteht, steht auf der Wunschliste. Für die Theaterreihe sind rund 80 000 Euro vorgesehen.
 
Besonders wichtig ist dem Kulturbüro, Kinder und Jugendliche frühzeitig für Kultur zu begeistern. Die beliebte KinderKulturKarte soll fortgesetzt werden. Sie ermöglicht zweimal jährlich jeweils 80 Kindern zwischen vier und sechs Jahren und ihren Eltern, zu einem günstigen Preis drei unterschiedliche Aufführungen zu besuchen. Dazu kommt wieder ein großes Kindertheater in der Vorweihnachtszeit, sowohl für Schulklassen als auch für Familien. Ausgebaut werden soll außerdem die Zusammenarbeit mit den Schulen, insbesondere mit Klassen der Mittelstufe.
Kammermusik behält ihren Platz

Auch die klassische Musik behält ihren festen Platz. Sechs Kammermusikkonzerte sind geplant. Ein eigenes Kammermusikkonzert für Kinder ergänzt das Angebot.
Mehr Kultur soll es künftig auch außerhalb der Kernstadt geben. Unter dem Titel „Kultur vor Ort“ plant das Kulturbüro in mindestens vier Ortsteilen jeweils eine Veranstaltung. Theater und Popmusik sollen dabei ebenso vertreten sein wie Angebote für Erwachsene und junge Menschen. Dafür sind 20 000 Euro vorgesehen.
Ein besonderer Schauplatz bleibt der Weinheimer Schlosshof. Dort soll der Kultursommer auch 2028 stattfinden. Allerdings mit einer neuen Gewichtung: Noch stärker als bisher sollen örtliche Künstler, Vereine und andere Akteure das Programm prägen. Für den Kultursommer sind rund 50 000 Euro eingeplant.
 
Kinderkultursommer am Blauen Hut
 
Auch der Platz am Blauen Hut wird sich wieder in eine Bühne für Kinder verwandeln. Nach der geplanten Premiere im Jahr 2027 ist für 2028 der zweite KinderKulturSommer vorgesehen. Drei Tage lang soll es dort Kultur speziell für die jüngsten Besucher geben.
Auch junge Musiker bekommen weiterhin ihre Bühne. In der Reihe „Studiobühne – Die junge Bühne“ sind fünf Konzerte mit regionalen und überregionalen Nachwuchskünstlern geplant. Die Reihe verbindet hochwertige Konzerte mit der Förderung junger Talente.
Daneben will das Kulturbüro neue Wege gehen. Für Veranstaltungsformate, die aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreifen, Ideen aus der Bevölkerung aufnehmen und bislang wenig erreichte Zielgruppen ansprechen, sind 25 000 Euro vorgesehen.
Bei aller Offenheit für Neues bleiben auch die Weinheimer Traditionen erhalten. Der Sommertagszug und die Martinsumzüge sind weiterhin feste Bestandteile des Kulturkalenders.
Der Zuspruch im Fachausschuss war  groß und positiv. Die Summe für die Kultur sei sehr beträchtlich – und man müsse positiv darstellen, wie wichtig auch der Weinheimer Politik die Kultur ist; sowohl für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch als Standortfaktor. Die Empfehlung des Ausschusses an den Gemeinderat fiel klar aus: Bei der Kultur wird nicht gespart.