Der Wald wird teurer und wichtiger

Weinheimer Forstausschuss hörte interessante aber vor allem sorgenvolle Berichte

Jetzt weiß man auch, was einen Förster – unter anderem - von einem Oberbürgermeister unterscheidet. Stadtrat Karl Bär von der FDP erinnerte sich während der jüngsten Forstausschuss-Sitzung in Weinheim an einen Spruch seines Vaters, der so lautete: „Ein Förster macht nie Fehler, die wurden immer schon Generationen vor ihm gemacht.“ Das treffe auf ihn nicht zu, entgegnete Oberbürgermeister Manuel Just schmunzelnd. Rathauschefs entscheiden oft für den Moment, Förster in der Tat meistens für Jahrzehnte.
Aber genau das wird immer schwieriger, nahezu unmöglich angesichts des Klimawandels und daraus resultierender Unsicherheiten für die Forstwirtschaft. Das hörten die Mitglieder des Ausschusses immer wieder und sehr deutlich. Zu den Weinheimer Förstern stellten sich bei der Sitzung und zuvor bei einer Waldbegehung im Stadtwald bei Hohensachsen zwei neue Gesichter der Forstbehörde vor: Thomas Lehn, er ist Forsteinrichter und hat einen Überblick über die Wälder des Landes – dennoch kennt er aus der Weinheimer Waldgemarkung manch spannendes Detail. Erstmals in seiner Funktion als Forstamtsleiter des Rhein-Neckar-Kreises berichtete Manfred Robens über die Ergebnisse und Planungen der Forstwirtschaft; ihn kannte man in Weinheim allerdings schon aus seiner früheren Funktion als Geschäftsführer des Naturparks Neckar-Odenwald.

Fazit: Die Arbeit im Wald wird immer weniger planbar, die Forstwirtschaft – einst ein Gewinngeschäft der Kommunen – braucht immer höhere Zuschüsse, der Wald wird als Freizeit- und Erholungseinrichtung aber immer wichtiger. Das betonten Manfred Robens und Oberbürgermeister Manuel Just unisono. Gerade das Corona-Jahr zeige, wie wichtig ein Wald als Natur-Erholungsgebiet ist. Als im Frühjahr beim Lockdown sogar Fitness-Studios und Sportstätten geschlossen waren, blieb vielen Menschen nur noch der Wald zur Erholung. „Die Soziale Funktion des Waldes ist nicht noch genug einzuschätzen“, warb der Forstbezirksleiter. Forsteinrichter Thomas Lehn ging ins Detail: Die Niederschläge bleiben aus, die Sommer werden heißer, Baumarten kämpfen um ihr Überleben, schilderte er. OB Just warb dafür, den Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und Naherholungswert zu bewahren. Dass der Wald auch einen Vermögenswert für die Stadt darstellt, müsse auch immer wieder betont werden. Auch wenn für das Jahr 2021 ein Minus von 194 140 Euro im Haushalt zu erwarten ist. Diese Summe muss – auf Empfehlung des Fachausschusses – am 11. November noch der Gemeinderat genehmigen, dann wird sie so im Haushalt eingeplant.

Interessant: Laut dem Bericht des Forsteinrichters beträgt die forstliche Betriebsfläche in Weinheim im Moment rund  1078,2 Hektar, das bedeutet einen leichten Rückgang. Der Holzvorrat sei allerdings gegenüber 2010 um 17 870 auf 367 002 Festmeter gewachsen. Das habe auch die Ursache, so die Förster, dass wegen Krankheiten der Bäume immer öfter unplanmäßig gefällt werden müsse. Nur noch 30 Prozent der Einschläge seien planmäßig, der Rest entsteht aus der Not heraus, zum Beispiel wenn – meistens Nadelhölzer – vom Borkenkäfer befallen sind.

„Dann muss es vom Schlagen über das Abtransportieren bis zum Verarbeiten und Vermarkten ganz schnell gehen“, beschrieb Robens. Insgesamt werde sich das bekannte Gesicht des Bergstraßen-Waldes durch den Klimawandel verändern, weil vor allem Fichten die Trockenheit und die Hitze schlechter vertragen, auch Eschen haben es schwer, während man Douglasien, Buchen und Eichen mehr Überlebenschancen zutraut. Sie werden nun zunehmend angepflanzt. Aber ob das alles so eintritt, wie vermutet, das wird man ganz genau auch erst wieder ein paar Generationen später wissen.

(Erstellt am 26. Oktober 2020)

Anschrift

Stadt Weinheim
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Obertorstraße 9
69469 Weinheim

Tel.: 06201 / 82 - 390
Fax: 06201 / 82 - 473
Mobil: 0171 / 33 444 27
e-mail

Hier finden Sie uns:
Rathaus Schloss
Eingang A, 1. OG
Zimmer 202 A

Anfahrtsplan (511 KB)

Öffnungszeiten und Termine nach Vereinbarung.

Bitte beachten Sie die unterschiedlichen Sprechzeiten der einzelnen Ämter und Dienststellen.
Wir haben gleitende Arbeitszeit. Sie erreichen uns telefonisch:

Mo. - Fr. 08.00 - 12.00 Uhr
Mo. - Mi. 14.00 - 16.00 Uhr
Do. 14.00 - 18:00 Uhr