Für ein Netz der Hilfsbereitschaft

Katrin hat ein Schlafsofa zu verschenken, Vanessa einen Küchentisch. Das „Diebsloch“ am Marktplatz sucht händeringend Küchenpersonal, die Sicherheitsfirma Lohrer einen Elektroniker und zwei Weinheimer IT-Firmen könnten sofort einen Webentwickler einstellen. Suche und Biete, das ist das Prinzip eines neues Internet-Portals, das die Stadt Weinheim und die Weinheimer Werbe- und Internetagentur „WebQ“ innerhalb weniger Tage aufgebaut und auf die aktuelle Situation zugeschnitten haben.

Am Donnerstag stellte Agenturchef und Internetprofi Rolf Zeitler gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Tim Pachmann das Portal mit allen seinen Funktionen und Möglichkeiten dem Weinheimer Oberbürgermeister Manuel Just vor. An der Entstehung waren außerdem die Weinheimer Integrationsbeauftragte Ulrike Herrmann und Pressesprecher Roland Kern beteiligt sowie Dana Scheil, die Leiterin des Amtes für Soziales, Jugend, Familie und Senioren. Die Plattform trägt den eindrücklichen Namen: weinheim.help.
Rat und Tat holte sich die Stadt dabei auch beim Arbeitskreis Asyl, deren Akteure eine große Erfahrung darin haben, was geflüchtete Menschen suchen und brauchen. Auch Elfie Rentrop vom AK Asyl bedankte sich bei der Stadt und Rolf Zeitler für das schnelle Handeln. Zwischen dem ersten Anruf der Stadt bei „WebQ“ und Umsetzung lagen nur wenige Tage. Ein Erklärvideo mit ukrainischen Untertiteln beschreibt, wie alles funktioniert. Zur Registrierung ist eine Mail-Adresse erforderlich.
Seit ein paar Tagen ist weinheim.help im Probebetrieb, ab Donnerstag, 7. April ist sie für jeden Menschen offen, der geflüchteten Menschen Hilfen in jeglicher Form anbieten will: ob mit Sach- oder Geldspenden, Hilfe in Lebenslagen, bei der Wohnraum oder Jobvermittlung. Und natürlich für Menschen, die Spenden und Hilfe brauchen. Ganz besonders dabei: eine Funktion, bei der man die Sprache zwischen Deutsch, Englisch und Ukrainisch wechseln kann. So können sich Geber und Nehmer sogar virtuell unterhalten, auch wenn sie nicht dieselbe Sprache sprechen. Die Seite richtet sich also an beide Seiten, ganz besonders an Personen, die in Deutschland lebende Flüchtlinge betreuen.
Bei Sachspenden und Jobs ermöglicht weinheim.help einen unmittelbaren und schnellen Kontakt zwischen den Menschen, die anbieten und jenen, die ein Angebot annehmen möchten. Über die Chatfunktion – wie bei Tauschbörsen – können sich die Personen kurzschließen und weitere Modalitäten, wie zum Beispiel die Übergabe, vereinbaren. Bei persönlichen Hilfeleistungen sind passende Mail-Adressen angegeben, damit die Stadt und erfahrene Flüchtlingshelfer die Angebote erst prüfen können. „Es ist wichtig, schnell, unbürokratisch und dennoch seriös und vertrauensvoll vorzugehen“, beschreibt Roland Kern. Das Portal wird von den Administratoren auch permanent im Auge behalten, um ungewünschte Beiträge zu löschen, wenn es erforderlich ist.
Bei den Jobangeboten seien daher auch nur gewerbliche Anbieter zugelassen, die sich verpflichten, alle arbeitsrechtlichen Regeln einzuhalten. Bei der Wohnungssuche werden die Nutzer auf die gängigen Portale und an die offiziellen Ansprechpartner verwiesen, die alles rechtlich Erforderliche beachten.
„Jetzt wünschen wir uns, dass möglichst viele Bietende und Suchende weinheim.help mit Inhalt und Leben füllen“, so Oberbürgermeister Manuel Just. WebQ-Chef Rolf Zeitler verwies darauf, dass sein Team mit weinheim.help eine Basis geschaffen habe, die auch für andere Kommunen oder Einrichtungen angepasst werden kann.  

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