„Tausche Ballkleid gegen Ofenrohr“

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Es war gerade mal ein dreiviertel Jahr her, dass in Weinheim der 2. Weltkrieg zu Ende ging. Am 28. März 1945 waren US-amerikanische Streitkräfte in die Stadt an der Bergstraße eingerückt und hatten die Macht von den letzten noch Widerstand leistenden Nationalsozialisten übernommen. Auf dem Rathausturm wurde die weiße Flagge gehisst. Die „Zeit danach“ begann. Wie sich diese Zeit „anfühlte“, wird aber erst lebendig, wenn man mit Menschen sprechen kann, die als Kinder und Jugendliche den Nachkriegsalltag selbst erlebt haben. Zum Glück gibt es diese Menschen noch. An einem Abend im Museum der Stadt am Amtshausplatz am Dienstag, 10. November, 19 Uhr, will Alexander Boguslawski vom Förderkreis Museum von diesen Gesprächen und den Inseraten im Anzeigenblatt berichten und gern mit den Anwesenden darüber diskutieren.

Die Weinheimer, Frauen, Kinder und Männer gleichermaßen, waren in erster Linie froh, dass die Zeit der Fliegeralarme und die Angst vor Angriffen vorbei war. Wochen- und monatelang konnte man von Weinheim aus hören und sehen, wie der Krieg über Mannheim und Ludwigshafen tobte und ahnen, welche katastrophale Schäden er dort verursachte.
Das Städtchen Weinheim blieb auf jeden Fall fast gänzlich von den Folgen des Bombenkriegs verschont. Aber für die Stadtgesellschaft begann ein jahrelanger, mühsamer Weg, um das Leben der Bevölkerung nach der Herrschaft der Nationalsozialisten wieder zu normalisieren. In den Worten des Weinheimer Journalisten Heinz Keller (Jahrgang 1930) war es „die Ungewissheit, wie es weitergehen wird, die das erste Friedensjahr 1946 prägte.“Anfang Februar 1946 erschien mit Genehmigung der Militärregierung „Die Bergstraße“, ein „Kleinanzeigenblatt für den Stadt- und Landbezirk Weinheim A.D.B.“. Die Druckerei Philipp Knapp in der Stadtmühlgasse 1 gab am 2. Februar die Nr. 1 des doppelseitigen Wochenblatts heraus, und es soll davon erzählt und herausgelesen werden, wie es in der Zeit um 1946 in Weinheim zuging.In den Spalten der „Bergstraße“ wurde nach Wohnungen gesucht, so etwa auch im Tausch mit einer Wohnung in einer anderen Stadt. Kleingärtner und Selbstversorger suchten nach Gemüsesetzlingen, Saatgut oder Nutztieren und Futter. Alles Mögliche – und Unmögliche – wurde zum Tausch angeboten: „Biete Nudelmaschine, suche Radio“. Wer ein Geschäft wieder aufmachte, gab es bekannt. Arztpraxen öffneten wieder. Vereinzelt wurde auch nach Vermissten gesucht, die noch nicht aus dem Krieg oder der Gefangenschaft heimgekommen waren. Und es gab unendlich viele Anzeigen mit Heiratswünschen von Alleingebliebenen und Zugewanderten.Der Eintritt ist frei, Anmeldungen sind nicht erforderlich. 

(Erstellt am 03. November 2026)

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