Auch junge Start-Ups nutzen altes Netzwerken

Der Mittagstreff der Weinheimer Wirtschaft wurde vor 20 Jahren ins Leben gerufen, damals sprach noch niemand von KI als „Game-Changer“ von allem. Dass er so lange als ein gutes altes Netzwerk dient, nach wie vor, das hat am Freitagmittag der sage und schreibe 137. Mittagstreff im Alten Rathaus bewiesen. Nicht nur dass der Bürgersaal mit interessierten Wirtschaftsvertretern gut gefüllt war.

Oberbürgermeister Michael Möslang beim zweiten Mittagstreff seit seinem Amtsantritt konnte zu den üblichen Besuchern auch Nico Dietz begrüßen, der erst vor wenigen Wochen in Weinheim in der „Hübsch-Villa“ gegenüber der Stadthalle ein Start-Up für KI-Entwicklung gegründet hat. Innovation trifft Tradition; auch der Jung-Unternehmer nutzt gute alte Netzwerke. Der Weinheimer Bau- und Immobilienunternehmer Arne Thomsen hatte den Gründer mitgebracht.
 
Firmengründer sind willkommen
 
OB Möslang nutzte die Gelegenheit dafür, zu betonen, dass sich dieses Mittagstreff-Netzwerk weiter öffnen wird.  Besonders junge und neu gegründete Unternehmen seien willkommen, warb er. Erstmals war bei diesem Mittagstreff auch ein KI-Start-up vertreten. Wer in den vergangenen Wochen oder Monaten in Weinheim ein Unternehmen gegründet oder eröffnet habe, sei ausdrücklich eingeladen, beim nächsten Treffen vorbeizuschauen. Einmal im Quartal lädt die Weinheimer Wirtschaftsförderung zum Mittagstreff an wechselnden Orten ein.
Diesmal standen Berichte von Wirtschaftsförderer Jens Stuhrmann zu einer aktuellen Messung der Besucherfrequenz und eine Vorstellung der Agentur für Arbeit auf dem Programm.
Eine lebendige Innenstadt ist eines der wichtigsten Ziele des Weinheimer Stadtmarketings. Veranstaltungen, Aktionen und neue Angebote sollen mehr Menschen in die Fußgängerzone und auf den Marktplatz bringen. Doch wie erfolgreich sind diese Maßnahmen tatsächlich? Bislang ließ sich das nur schwer überprüfen.
Das soll sich ändern. Wie Wirtschaftsförderer Jens Stuhrmann erläuterte, setzt die Stadt künftig auf eine digitale Besucheranalyse auf Grundlage von Mobilfunk- und GPS-Daten. Dafür arbeitet Weinheim mit dem Unternehmen NIQ Geomarketing zusammen. Auch die Herkunft der Besucher lässt sich anhand der Postleitzahlgebiete auswerten. Die ersten Auswertungen zeigen bereits, wie sich die Besucherzahlen im Jahresverlauf verändern und wie unterschiedlich einzelne Bereiche der Innenstadt frequentiert werden. Künftig sollen solche Erkenntnisse helfen, Veranstaltungen und Marketingaktionen gezielter zu planen. Auch die Auswirkungen von Baustellen, Ferienzeiten oder Wetterbedingungen lassen sich damit besser einschätzen.
Interessant sind die Daten nicht nur für die Stadtverwaltung, sondern auch für Einzelhandel, Gastronomie, Tourismus und Immobilieneigentümer. Selbst bei der Ansiedlung neuer Geschäfte oder bei Gesprächen mit Investoren können belastbare Besucherzahlen eine wichtige Rolle spielen.
 
Ausbildung wird immer wichtiger
 
Mit einer ganz anderen, aber für die Unternehmen nicht weniger wichtigen Entwicklung beschäftigte sich Stephanie Ruff, Teamleiterin des Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit. Sie stellte die aktuelle Lage auf dem regionalen Arbeits- und Ausbildungsmarkt vor und erläuterte, welche Unterstützung Betriebe bei der Suche nach Personal erhalten können.
Die gute Nachricht: Der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Heidelberg, zu dem auch Weinheim gehört, zeigt sich trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen vergleichsweise robust. Während die Beschäftigung in Baden-Württemberg insgesamt eine andere Entwicklung nimmt, verzeichnet die Region weiterhin einen Zuwachs. Dieser wird nach Angaben der Arbeitsagentur wesentlich durch die Zuwanderung von Arbeitskräften getragen. Die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk liegt bei rund 18 100, die Arbeitslosenquote bei 4,6 Prozent.
Doch die langfristige Entwicklung bereitet Sorgen. Denn 23 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind bereits älter als 55 Jahre und werden innerhalb der nächsten zehn Jahre in den Ruhestand gehen. Damit droht den Unternehmen ein erheblicher Verlust an Erfahrung und Fachwissen.
Umso wichtiger werden Ausbildung, Weiterbildung und die Gewinnung zusätzlicher Arbeitskräfte. Ruff machte deutlich, dass Unternehmen künftig verstärkt auf Nachwuchsförderung, die Qualifizierung ihrer Beschäftigten und die Integration ausländischer Fachkräfte setzen müssen. Gleichzeitig verändern Digitalisierung und technologische Entwicklungen zahlreiche Berufsbilder.
Immerhin gibt es auf dem Ausbildungsmarkt positive Signale. Im Berufsberatungsjahr 2025/2026 wurden im Agenturbezirk Heidelberg 3436 Ausbildungsstellen gemeldet. Das entspricht einem Anstieg um 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber um 7,9 Prozent auf 3533. Dass Netzwerke auch unmittelbar vor Ort entstehen, zeigte Stuhrmann mit einem Rückblick auf das erste Unternehmertreffen im Weinheimer Gewerbegebiet Nord am 27. Oktober. Die Initiative der Wirtschaftsförderung und der Weinheimer Nordstadtfreunde soll die Zusammenarbeit der dort ansässigen Betriebe stärken. Für das Frühjahr 2027 ist dort bereits eine Gewerbemesse geplant.
 

(Erstellt am 06. November 2026)

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