Besser lernen mit Dach über dem Kopf

Weinheim knüpft ein Netzwerk Azubiwohnen - Stadt, Unternehmen und Stadtseniorenrat treffen sich an einem Runden Tisch zum besseren Austausch

Eine freie Einliegerwohnung bei älteren Menschen, eine Wohnung, die ein Unternehmen für seine Auszubildenden anmietet, oder ein eigenes Ausbildungshaus: Es gibt viele Möglichkeiten, jungen Menschen während ihrer Ausbildung ein Dach über dem Kopf zu bieten. In Weinheim sollen solche Ideen künftig stärker zusammengeführt werden. Denn bezahlbarer Wohnraum kann zu einem wichtigen Argument werden, wenn Betriebe um Nachwuchskräfte werben. Bei einem Runden Tisch „Azubiwohnen Weinheim“ im Rathaus haben Vertreter von Stadt, Wirtschaft und Stadtseniorenrat jetzt weitere Möglichkeiten ausgelotet.Die Initiative geht auf Sabine Klemm vom städtischen Koordinationsbüro Übergang Schule–Beruf zurück. Sie verfolgt ein Ziel, das gleich mehrere Herausforderungen miteinander verbindet: den Mangel an bezahlbarem Wohnraum, die Sicherung von Fachkräften und die Frage, wie bislang ungenutzter Wohnraum sinnvoll genutzt werden kann. Die Stadt versteht sich dabei vor allem als Vermittlerin und Koordinatorin eines Netzwerks. Denn eines ist klar: Ohne die Unternehmen und private Vermieter wird es nicht gehen.   

Mannheimer Ausbildungshaus als Beispiel

Dass solche Modelle funktionieren können, zeigte beim jüngsten Treffen ein Blick über die Stadtgrenze. Christian Franke, Geschäftsführer der GBG Wohnen GmbH, stellte das Ausbildungshaus Mannheim vor. Das Beispiel lieferte Anregungen für die Frage, welche Wohnangebote auch in Weinheim entstehen könnten.
Ein weiterer Ansatz könnte sich aus einem bereits bestehenden städtischen Projekt ergeben. Unter dem Titel „Vermiete doch an deine Stadt“ wirbt die Stadt Weinheim um privaten Wohnraum. Beim Runden Tisch stellte ein Vertreter des Amtes für Immobilienwirtschaft das Konzept vor. Daraus könnte sich künftig eine Zusammenarbeit ergeben: Wohnungen, die der Stadt angeboten werden, für deren eigene Zwecke aber nicht geeignet sind, könnten mit Zustimmung der Eigentümer an das Netzwerk Azubiwohnen weitergemeldet werden. Interessierte Ausbildungsbetriebe hätten dann die Möglichkeit, diese Wohnungen anzumieten.
Auch der Stadtseniorenrat bleibt ein wichtiger Partner. Seine Vertreterin Suse Nees berichtete über ein neues Wohn-Projekt, das künftig mit dem Azubiwohnen verknüpft werden könnte. Dahinter steht auch die Überlegung, ältere Menschen mit freiem Wohnraum und junge Menschen auf Wohnungssuche zusammenzubringen. Beide Generationen könnten davon profitieren. Nees und Klemm wollen sich über die Entwicklung ihrer Projekte regelmäßig austauschen.

Für den Wirtschaftsstandort Weinheim 

Dabei geht es längst nicht nur um Auszubildende, die von außerhalb nach Weinheim kommen. Auch junge Menschen aus der Region könnten von einem eigenen Wohnangebot profitieren. Die Teilnehmer des Runden Tisches waren sich einig, dass dies die Attraktivität der Weinheimer Ausbildungsbetriebe und des Wirtschaftsstandortes insgesamt erhöhen würde.
Noch allerdings ist die Lage nicht in allen Branchen gleichermaßen angespannt. Nach den Erfahrungen der beteiligten Betriebe lassen sich Auszubildende bislang überwiegend aus der Region gewinnen. Eine Ausnahme bildet der Pflegebereich, in dem die Suche nach Nachwuchs und geeignetem Wohnraum bereits schwieriger ist. Im Frühjahr 2027 will Sabine Klemm erneut bei den beteiligten Unternehmen nachfragen, wie sich die Wohnraumsituation für Auszubildende entwickelt hat und welche Themen sie beschäftigen. Dann soll auch entschieden werden, ob und wann der nächste Runde Tisch stattfindet.

(Erstellt am 04. November 2026)

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