Lebensmut trotz(t) Demenz
Konzertlesung anlässlich der Woche der Demenz mit Dr. Sarah Straub und Volkmar Schwabe am 18. September im Holzwurm-Theater Weinheim
Demenz hat viele Gesichter. Und manchmal bekommt eine Geschichte ein ganz besonderes Gesicht, wenn der Mensch, von dem sie erzählt, selbst auf der Bühne sitzt. Am Freitag, 18. September 2026, präsentiert die Liedermacherin, promovierte Diplom-Psychologin und Demenzexpertin Dr. Sarah Straub ihr neues Buch „Lebensmut trotz(t) Demenz“ im Holzwurm-Theater im a2 in Weinheim. Die Konzertlesung, veranstaltet vom Verein Leben mit Demenz Weinheim e. V., verbindet Musik, persönliche Geschichten und wissenschaftlich fundierte Informationen über Demenz. Doch die Weinheimer Veranstaltung hält eine besondere Überraschung bereit: Volkmar Schwabe, der Protagonist des ersten Kapitels des Buches, wird persönlich vor Ort sein und selbst aus diesem Kapitel lesen. Damit wird aus einer Lesung eine Begegnung, die eindrucksvoll zeigt, worum es Sarah Straub in ihrem neuen Buch und in ihrer gesamten Arbeit geht: Menschen mit Demenz nicht auf ihre Erkrankung zu reduzieren, sondern ihnen zuzuhören, ihre Geschichten ernst zu nehmen und ihnen Raum und Stimme zu geben. Volkmar Schwabe lebt selbst mit einer Alzheimer-Demenz. Vor einigen Jahren erhielt der heute engagierte Demenzbotschafter die Diagnose, die sein Leben von einem Moment auf den anderen veränderte. Sein beruflicher Weg ist ungewöhnlich vielseitig: Schwabe ist ausgebildeter Kommunikationselektroniker, Diplom-Pädagoge und Diplom-Sozialarbeiter. Zwei Jahrzehnte arbeitete er im leitenden Management eines großen Unternehmens der beruflichen Bildung und Sozialarbeit. Anschließend widmete er sich seiner Leidenschaft für Sprache und arbeitete als Journalist. Mit der Diagnose Alzheimer begann ein neuer Lebensabschnitt. Doch Volkmar Schwabe hat sich nicht aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen. Im Gegenteil: Er ist heute ein engagierter und gefragter Gesprächspartner, wenn es darum geht, über das Leben mit Demenz zu sprechen, Erfahrungen weiterzugeben und die Perspektive von Menschen mit Demenz sichtbar zu machen. Seit 2023 gehört er dem Beirat „Leben mit Demenz“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft an. Der Beirat besteht aus Menschen, die selbst mit einer Demenz leben. Sie beraten die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und bringen ihre Erfahrungen und Anliegen in deren Arbeit ein. Ziel ist es unter anderem, Menschen mit Demenz eine eigene Stimme zu geben, ihre Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Prozessen zu stärken und Vorurteile und Stigmatisierung abzubauen. Volkmar Schwabe ist damit nicht nur Protagonist eines Buchkapitels, sondern zugleich ein Beispiel für genau jene Haltung, für die Sarah Straub mit ihrem neuen Programm steht: Demenz verändert das Leben – aber sie beendet nicht das Leben. Dass Volkmar Schwabe ausgerechnet aus dem ersten Kapitel von „Lebensmut trotz(t) Demenz“ selbst lesen wird, verleiht dem Abend eine außergewöhnliche Authentizität. Das Publikum erlebt nicht lediglich die Geschichte eines Menschen mit Demenz aus der Perspektive einer Autorin und Psychologin. Es begegnet dem Menschen selbst. Damit wird auch eine zentrale Botschaft des Buches unmittelbar erfahrbar: Menschen mit Demenz sind nicht nur diejenigen, über die gesprochen wird. Sie können und wollen selbst sprechen, erzählen, gestalten und ihre Sicht auf die Welt einbringen.Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft formuliert diesen Anspruch sehr deutlich: Menschen mit beginnender Demenz können sich selbst vertreten, ihre Fähigkeiten nutzen und für sich und andere Menschen mit Demenz sprechen. Der Beirat „Leben mit Demenz“ wurde genau aus diesem Gedanken heraus geschaffen. Volkmar Schwabe verkörpert diese Idee auf besonders eindrucksvolle Weise. Er ist inzwischen bundesweit bei Veranstaltungen und Gesprächsformaten aktiv. Beim 12. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Fürth 2024 diskutierte er beispielsweise öffentlich über das Thema „Demenz und Einsamkeit“. Dabei berichtete er auch von seiner eigenen Erfahrung, nach der Diagnose zunächst in eine extreme Isolation geraten zu sein – und davon, wie es ihm gelang, Schritt für Schritt wieder herauszufinden. Sarah Straub kennt das Thema Demenz sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus persönlicher Perspektive. Die promovierte Diplom-Psychologin forscht am Universitätsklinikum Ulm und leitet dort eine Spezialsprechstunde für Angehörige und Menschen, die mit einer frontotemporale Demenz leben. Gleichzeitig ist sie seit vielen Jahren als Liedermacherin erfolgreich und hat bereits sechs Alben veröffentlicht. Als Musikerin stand sie unter anderem gemeinsam mit Konstantin Wecker auf der Bühne. Ihre besondere Stärke liegt darin, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln und gleichzeitig einen emotionalen Zugang zu schaffen.In ihrem neuen Buch „Lebensmut trotz(t) Demenz – Demenz hat viele Gesichter. Inspirierende Geschichten aus der Praxis“ erzählt sie von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, und von ihren persönlichen Lebenswegen. Sie verbindet diese Geschichten mit ihrem Fachwissen und mit der Überzeugung, dass ein gutes und erfülltes Leben auch mit einer Demenzerkrankung möglich sein kann. Bei ihren Konzertlesungen entsteht daraus eine ganz besondere Mischung: Sarah Straub liest, erzählt, erklärt und singt. Wissenschaftliche Erkenntnisse treffen auf persönliche Geschichten, musikalische Momente auf fachliche Informationen. Der Titel „Lebensmut trotz(t) Demenz“ ist dabei Programm. Sarah Straub möchte die Erkrankung nicht beschönigen. Demenz kann für Betroffene und Angehörige eine enorme Belastung sein. Sie kann Beziehungen verändern, Selbstverständlichkeiten infrage stellen und zu Einsamkeit und Unsicherheit führen. Gleichzeitig möchte Sarah Straub den Blick auf das richten, was trotz der Erkrankung möglich bleibt: Begegnung, Nähe, Humor, Musik, Gemeinschaft, Selbstbestimmung und Lebensfreude. Volkmar Schwabe steht für diese Perspektive wie kaum ein anderer. Er hat seine Diagnose nicht zum Ende seiner gesellschaftlichen Rolle werden lassen. Vielmehr nutzt er seine persönlichen Erfahrungen, um über Demenz zu sprechen und anderen Menschen Mut zu machen. Die Konzertlesung bringt damit zwei Menschen zusammen, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf dasselbe Thema schauen. Sarah Straub ist Wissenschaftlerin, Psychologin, Autorin und Musikerin. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren professionell mit Demenzerkrankungen und ihren Auswirkungen. Volkmar Schwabe spricht als unmittelbar Betroffener. Er kennt die Diagnose nicht aus Lehrbüchern, sondern aus dem eigenen Leben. Beide Perspektiven ergänzen sich. Wo Sarah Straub Wissen vermittelt, bringt Volkmar Schwabe persönliche Erfahrung ein. Wo die Autorin eine Geschichte erzählt, kann ihr Protagonist selbst seine Stimme erheben. Wo Demenz häufig mit Hilflosigkeit und Verlust verbunden wird, zeigen beide, dass auch Selbstbestimmung, Engagement und Lebensmut möglich sind. Es ist genau diese Verbindung, die den Abend in Weinheim so besonders macht. Die Veranstaltung richtet sich ausdrücklich nicht nur an Menschen, die beruflich mit Demenz arbeiten oder selbst einen Angehörigen pflegen. Sie richtet sich an alle, die mehr über Demenz erfahren möchten – und vor allem an alle, die das Thema aus einer menschlichen und lebensbejahenden Perspektive kennenlernen möchten. Denn Demenz betrifft längst nicht nur einzelne Familien. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Umso wichtiger sind Begegnungen, bei denen nicht nur über Menschen mit Demenz gesprochen wird, sondern bei denen sie selbst zu Wort kommen. Die Konzertlesung von Sarah Straub und Volkmar Schwabe kann deshalb auch als Plädoyer für Teilhabe verstanden werden: Nicht über uns, sondern mit uns. Das Netzwerk Runder Tisch Demenz und Pflege setzt sich seit Jahren zusammen mit dem Verein Leben mit Demenz Weinheim e. V. dafür ein, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in der Region zu unterstützen, über die Erkrankung aufzuklären und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Mit der Konzertlesung holt das Netzwerk ein Thema auf die Bühne, das viele Menschen betrifft, aber noch immer mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden ist. Der Abend soll informieren und sensibilisieren – aber ebenso Mut machen und Begegnung ermöglichen. Dass mit Sarah Straub eine ausgewiesene Demenzexpertin und mit Volkmar Schwabe ein unmittelbar Betroffener auf der Bühne stehen, passt daher in besonderer Weise zum Weinheimer Engagement, das an diesem Abend nicht endet. Die Woche der Demenz beginnt bereits am Mittwoch, den 16. September um 15 Uhr mit dem Film „ Der verlorene Mann“ im Kaffee-Kino des Modernen Theaters. Am Samstag, den 19. September können Sie die Akteure des Weinheimer Demenznetzes in der Weinheimer Innenstadt antreffen und mit dem Demenzparcours sich selbst in die Lage eines Menschen versetzen, der mit einer Demenz lebt. Am 25. September zeigt das Olympia Kino in Hirschberg-Leutershausen den Dokumentarfilm „Human Forever“, der den Alltag von Menschen mit Demenz weltweit begleitet. Alle Akteuren verbindet die Gemeinsamkeit, die Menschen zu sehen, für sie da zu sein, zuzuhören und besonders denen einen Stimme zu geben, die sie durch die Krankheit schon verloren haben. Alle Veranstaltung auf einen Blick: Mittwoch, 16. September 2026, Beginn: 15.00 Uhr, Einlass: 14.00 Uhr
Kaffee-Kino „Der verlorene Mann“Modernes Theater, Hauptstraße 61, 69469 WeinheimZum Kinoticket gibt es Kaffee und Kuchen. Freitag, 18. September 2026, Beginn: 19.00 Uhr, Einlass: 18.30 Uhr
„Lebensmut trotz(t) Demenz“ Konzertlesung mit Dr. Sarah Straub und Volkmar SchwabeHolzwurm-Theater im a2, Hopfenstraße 4, 69469 WeinheimEintritt: frei, um Spenden wird gebeten. Aufgrund der begrenzten Platzzahl ist eine vorherige Anmeldung beim Verein Leben mit Demenz Weinheim notwendig für einen garantierten Einlass. Telefon 06201/3899467, Email: info@leben-mit-demenz-weinheim.de Samstag, 19. September 2026, 10.00 bis 13 Uhr
Demenzparcours in der Weinheimer Innenstadt
