Für Struktur in der Wohlfühlstadt
Das dunkelblaue Shirt mit der Weinheimer Silhouette gibt es einige Hundert Mal, aber dieses ist ein Unikat. In geschwungener Schrift steht darüber: Wohlfühlstadt. Das war Andreas Buske, dem Weinheimer Ersten Bürgermeister und Technischen Dezernent, besonders wichtig. Es gehört zu seinem Verständnis von Weinheim. Am 1. Oktober war Andreas Buske (50), Bauingenieur und Immobilienökonom, drei Jahre Bürgermeister unter den zwei Burgen. Anlass, ein Fazit zu ziehen.
Der erste Arbeitstag war damals ein Sonntag, erinnert er sich. Sein erster Termin führte ihn vor drei Jahren zur Feuerwehr nach Rippenweier. Gerade war er aus München in seine Weinheimer Heimat zurückgekehrt – und aus der freien Wirtschaft in die Verwaltung gewechselt.
„Auf Wirksamkeit getrimmt“
Drei Jahre später zieht sich ein Thema wie ein roter Faden durch seine Arbeit: Die Stadt soll genauer wissen, wo sie handeln muss – und zwar möglichst, bevor Schäden teuer werden. Es sind die drei definierten Ziele der Zukunftswerkstatt, die zur Maxime seines Handelns geworden sind „Weinheim lebenswert, nachhaltig und für alle“: mit der Wohlfühlstadt als Oberbegriff. Dann gehören die Begriffe Struktur, Systematik, Prozessorientierung und Wirksamkeit zu den zentralen Themen seiner Amtszeit. „In der freien Wirtschaft wird man auf Wirksamkeit getrimmt“, sagt er.
Heißt konkret: Nach drei Jahren hat der Technikdezernent die Sanierungsbedarfe und Anforderungen auf eine solide Datenbasis gestellt und die notwendigen Strukturen geschaffen, so dass seine Leute nun systematisch, prozessorientiert und wirksam arbeiten und auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren können. Darauf verweist er mit einem gewissen Stolz und hantiert dabei gerne mit Tabellen und Grafiken, die sein gegenüber schwindlig machen. Aber er blickt durch.
Das gilt für Kanäle ebenso wie für Gebäude und Straßen. Beim Kanalnetz hat sich der Gemeinderat bereits auf ein systematisches Vorgehen bei Instandhaltung und Sanierung verständigt. Das nötige Fachpersonal ist nicht leicht zu finden. Inzwischen steht aber nicht nur das Konzept. Auch die erste der beiden benötigten Ingenieurstellen konnte erfolgreich besetzt werden.
Hitzeschutz als drängendes Thema
Auch bei den städtischen Gebäuden geht es voran. Eine Fachfirma erfasst derzeit systematisch deren Zustand und hat die ersten Ergebnisse bereits öffentlich im Gemeinderat vorgestellt. Buske hält diesen Weg für entscheidend. Denn eine sachliche Bestandsaufnahme zeige, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht.
„Wir müssen über die emotionalen Themen hinauskommen“, sagt der Erste Bürgermeister. Wer den Zustand der Gebäude kenne, könne dort eingreifen, wo kostspielige Schäden drohen oder sogar die Gesundheit der Menschen betroffen sein könnte.
Auch der Klima- und Hitzeschutz spielt eine Rolle. In den Sommerferien wurden deshalb Temperaturen in den Weinheimer Schulen gemessen. Im Oktober werden sie ausgewertet, dann müssen im Detail die Lösungen zur Verbesserung gefunden werden.
Als Nächstes soll auch das Straßennetz stärker systematisch betrachtet werden. Technisch ist es inzwischen möglich, den Zustand von Straßen mit Kameras an städtischen Fahrzeugen aufzunehmen und mit Hilfe von KI digital auszuwerten. Gebäude, Straßen und eine gemeinsame Strategie für den Erhalt der städtischen Infrastruktur sollen noch in diesem Jahr Thema einer Klausur des Gemeinderates sein.
Buske sieht darin auch einen Beitrag zu einer Verwaltung, die für die Menschen nachvollziehbarer arbeitet. Nach seiner Überzeugung liegt die verbreitete Unzufriedenheit mit Behörden weder an mangelnder Motivation der Beschäftigten noch an überzogenen Erwartungen der Bürger. Entscheidend seien Wirksamkeit und Kommunikation. Verwaltung müsse mit Transparenz, Effizienz und Nachvollziehbarkeit verbunden werden.
Dass die Bürger genau hinschauen, zeigt der digitale Mängelmelder. Mehr als 1200 Hinweise gingen dort im vergangenen Jahr ein. Hinzu kamen über 400 Meldungen über das Portal „Sag’s doch“. Besonders häufig ging es um Schäden im Straßenraum, wilde Müllablagerungen und ums Parken.
Fortschritte bei bezahlbarem Wohnraum
Auch bei konkreten Bauprojekten hat sich einiges bewegt. Im Nibelungenviertel kam die Kanalsanierung voran. Bei zwei von drei Grundschulen sollen die baulichen Ergänzungen für die Ganztagsbetreuung noch 2026 fertig werden. Beim Neubau der Kita Kuhweid und des Mehrgenerationenhauses steht noch in diesem Jahr das Richtfest an.
2027 soll die Anschlussunterbringung für Geflüchtete in Sulzbach fertiggestellt werden. Fortschritte erwartet die Stadt außerdem beim Bau bezahlbarer Wohnungen. Projekte sind sowohl in den Allmendäckern als auch auf dem Gelände der Hildebrandschen Mühle vorgesehen. Dort soll nach derzeitiger Planung Mitte 2027 der Bau beginnen.
Für Buske gehören all diese Projekte zusammen. Es geht darum, nicht erst dann zu reagieren, wenn ein Schaden offensichtlich geworden ist. Die Stadt soll ihre Infrastruktur kennen, Prioritäten setzen und ihre Mittel dort einsetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

