Buchen leiden, Eiche halten besser durch

Die Buche wirft ihre Blätter ab, ihre Krone verdorrt. Die Eiche dagegen steht noch erstaunlich grün im Wald. Der Klimawandel zeigt seine Folgen inzwischen deutlich im Weinheimer Stadtwald. Und er zeigt, welche Baumarten mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen. Bei der jährlichen Waldbegehung des Forstausschusses des Weinheimer Gemeindetates mit dem Forstamt des Rhein-Neckar-Kreises wurde deutlich: Der Wald der Zukunft wird anders aussehen als der Wald von heute.

2026 war für den Weinheimer Wald nach Einschätzung der Forstleute ein schlimmes  Hitzejahr. Zwischen März und September gab es lediglich drei nennenswerte Regenfälle. Dazu kam große Hitze. Die Folgen sind dramatisch. Bei fast allen Bäumen vertrockneten die neuen Triebe. Das Wachstum kam weitgehend zum Erliegen.
 
Oberbürgermeister Michael Möslang eröffnete die Waldbegehung, bei der Forstamtsleiter Manfred Robens die Mitglieder des Ausschusses zu verschiedenen Orten im Weinheimer Wald an der östlichen Gemarkungsgrenze zu Hessen führte, dem Weiten Wald. Dort konnten die Teilnehmer unmittelbar sehen, was die Klimaveränderung für die heimischen Baumarten bedeutet.
Besonders schwer hat es die Buche getroffen. Sie reagierte auf die Trockenheit mit dem Abwerfen grüner Blätter und welker Früchte. Baumspitzen und Kronen sind teilweise verdorrt. Die Eiche dagegen hat die extreme Wetterlage bislang deutlich besser überstanden. Ihre Kronen sind noch grün. Welche Bäume dauerhaft geschädigt sind und welche sich erholen, wird sich allerdings erst im kommenden Frühjahr zeigen.

Mischung macht widerstandsfähiger
 
Für Robens steht fest: Die besten Chancen im Klimawandel haben Mischwälder. Und hier besitzt Weinheim eine gute Ausgangslage. Der städtische Wald besteht zu 27 Prozent aus Buchen, zu jeweils 15 Prozent aus Eichen und Douglasien sowie zu 13 Prozent aus Bergahorn. Hinzu kommen unter anderem Fichten, Lärchen, Eschen und Kiefern. Diese Vielfalt ist eine Stärke, die es zu erhalten gilt.
Wie sich der Wald an die veränderten Bedingungen anpassen lässt, zeigte Robens an einem rund 30 Jahre alten Buchenbestand. Dort setzt der Forst auf gezielte Pflege. Seltenere und besonders erhaltenswerte Baumarten werden mit gelben Punkten markiert. Andere Bäume, die ihnen Licht und Platz nehmen, werden bei der Durchforstung entfernt.
Dabei geht es nicht darum, die Buche aus dem Wald zu verdrängen. Vielmehr sollen die verbleibenden Bäume früher mehr Licht und Raum erhalten. Sie können kräftigere Stämme und Kronen entwickeln und dadurch widerstandsfähiger werden. Der Wald wird möglicherweise weniger dicht, dafür aber stabiler.
 
Auch wirtschaftliche Überlegungen spielen bei der Waldpflege eine Rolle. In einem Douglasienbestand zeigte Robens sogenannte Zukunftsbäume. Diese wurden frühzeitig geastet und werden nun gezielt gefördert. Ihr Holz soll später möglichst astfrei sein und entsprechend gute Preise erzielen. Waldpflege dient damit sowohl der Anpassung an den Klimawandel als auch der langfristigen Sicherung des Holzertrags.
 
Klimawandel verändert die Forstwirtschaft
 
Vor allem die Fichte gilt als Verliererin des Klimawandels. Sie wurde deshalb überproportional stark eingeschlagen. Die langfristigen Klimadaten zeigen weiterhin steigende Temperaturen. Umso wichtiger werden die natürliche Verjüngung des Waldes und eine gezielte Pflege der Bestände. Die jährliche Waldbegehung machte damit deutlich, vor welcher Aufgabe die Stadt steht. Der Weinheimer Wald soll Lebensraum für Tiere und Pflanzen bleiben, Erholungsgebiet für die Menschen sein und weiterhin Holz liefern. Gleichzeitig muss er mit einem Klima zurechtkommen, das sich schneller verändert als die Bäume wachsen können.
Die wichtigste Erkenntnis der Waldbegehung: Weinheim hat mit seinem artenreichen Mischwald gute Voraussetzungen. Damit das so bleibt, muss die nächste Waldgeneration aber schon heute geschützt und gefördert werden.
 

(Erstellt am 12. Oktober 2026)

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