Innenstadt für die Zukunft rüsten

Im Jahr 2010 war die Welt noch eine andere, auch für den Einzelhandel. Corona war noch eine mexikanische Biersorte, Energie war günstig, Zölle niedrig und Online-Handel war eher was für Computerfreaks. Man konnte aber schon ahnen, dass ein verändertes Konsumverhalten der Menschen den Innenstädten künftig eine gewaltige Aufgabe stellen würde. Weinheim erarbeitete damals ein Einzelhandelskonzept. Es hat geholfen, die Weinheimer Innenstadt hat sich im Vergleich zu anderen Städten dieser Größenordnung gut gehalten. Aber 16 Jahre später haben sich das Einkaufsverhalten, die wirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen sowie die rechtlichen Anforderungen erheblich gewandelt.

Daher hat sich die Stadt – federführend das Amt für Stadtentwicklung, unterstützt vom Stadtmarketing und der Wirtschaftsförderung – in diesem Jahr auf den Weg gemacht, das Einzelhandelskonzept fortzuschreiben und zu modernisieren. Das geschieht im Moment. Die IHK sowie der Verein „Lebendiges Weinheim“ sind im Prozess stark eingebunden. In den nächsten Monaten werden die gewonnen Erkenntnisse und Folgerungen auch öffentlich vorgestellt und in den politischen Gremien beraten.
 
„Mit einem fortgeschriebenen Einzelhandelskonzept können wir die Innenstadt auch in Zukunft gegen Fehlentwicklungen schützen. Parallel laufen die vielfältigen Aktivitäten weiter, um die Innenstadt noch attraktiver zu machen“, beschreibt Kastor Höhn vom Weinheimer Amt für Stadtentwicklung. Seit einiger Zeit intensiviert Weinheim mit einem City-Management die Projekte, Veranstaltungen und Aktionen zur Belebung der Innenstadt erheblich.
Zunächst, Weinheim steht in der schwierigen Lage noch gut da – das ist die erste Erkenntnis des Büros „Stadt+Handel“, das im Auftrag der Stadt die Fortschreibung umsetzt. Das Büro mit Niederlassungen in ganz Deutschland ist ein auf Stadtplanung und Standortanalysen spezialisiertes Beratungsunternehmen, das bundesweit Kommunen berät.
In Zahlen: In Weinheim gibt es 238 Einzelhandelsbetriebe mit einer Gesamtverkaufsfläche von etwa 102 000 Quadratmetern. 
 
Diesen Einzelhandelsbesatz schätzt „Stadt+Handel“ als adäquat für ein Mittelzentrum ein. Die so genannte Zentralität liegt bei rechnerisch 88 Prozent. Das heißt, von der in Weinheim vorhandenen Kaufkraft werden 88 Prozent in Weinheim ausgegeben. In Zeiten des starken Online-Handels sei das ein guter Wert, bescheinigen die Experten. Positiv bewerten sie auch, dass zentrenrelevante Sortimente (wie Nahrungs- und Genussmittel, Drogerie/Parfümerie/Kosmetik oder Bekleidung) überwiegend in den zentralen Standortbereichen zu finden sind. Besonders positiv hervorgehoben hat das Büro Stadt+Handel die vielfältige Ausstattung im Lebensmitteleinzelhandel.
 
Vor den Sommerferien hat das Büro eine vollständige Bestandserfassung aller Einzelhandelsbetriebe in Weinheim vorgenommen. Hierzu wurden alle Einzelhandelsbetriebe von qualifizierten Mitarbeitern des Büros in Augenschein genommen und vor allem Größe und Sortimentsstruktur erfasst. Im nächsten Schritt wird „Stadt+Handel“ daran gehen, die zentralen Versorgungsbereiche genauer unter die Lupe zu nehmen und Vorschläge zu deren Abgrenzung und Zielausrichtung zu machen. Auch werden speziell für Weinheim die zentrenrelevanten Sortimente definiert.
 
Bei dem Einzelhandelskonzept handelt es sich um ein Steuerungsinstrument mit rechtlicher Bindung. Im Kern geht es darum zu definieren, wo sich zentrale Versorgungsbereiche befinden und welche zentrenrelevanten Sortimente nur dort angeboten werden dürfen. Hierbei sei es wichtig, neben den tatsächlichen Gegebenheiten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten, betont Höhn.
Eva Wohlgemuth erwartet sich von dem neuen Konzept, dass es damit weiter gelingt, Weinheims individuelle Stärken herauszustellen, die Attraktivität des Einzelhandelsangebotes zu bewahren und weiter zu stärken. Der Stadt könne und müsse dabei lenken und unterstützen.
 

(Erstellt am 13. August 2026)

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