Drei Jahre Ruhe für die Hintere Mult
Seit neun Jahren wird in Weinheim kontrovers über die Entwicklung des Gebietes Hintere Mult an den Bahnschienen im Nordwesten der Stadt diskutiert. Jetzt soll Ruhe in das Thema kommen.
Der Gemeinderat hat am Mittwochabend auf Empfehlung der Verwaltung die Planung für ein Gewerbegebiet „Hintere Mult“ zurückgezogen. Die Planung ist zunächst obsolet. Auf einen Bürgerentscheid zum aktuellen Zeitpunkt wird außerdem verzichtet, nachdem die Kläger und Vertrauensleute an der Fragestellung festgehalten hatten. Diese Formulierung wurde aber von der Mehrheit des Gremiums und der Verwaltung als intransparent und kompliziert eingeschätzt. Auf diese Weise könne ein Bürgerentscheid nicht sinnvoll sein.
Im Gremium wurde mehrfach betont, dass eine Verabschiedung von der Planung kein endgültiges Aus für eine Gewerbeentwicklung der Hinteren Mult bedeuten muss. Es sei wichtig, Ruhe in das Thema zu bekommen, um es in drei Jahren wieder „vernünftig und rechtssicher“ aufzugreifen. Dann könne man auch die Fragestellung für einen Bürgerentscheid neu formulieren. Dies könne zu einer Befriedung der Stadtgesellschaft führen. In der Zwischenzeit soll die Vermarktung von innerstädtischen Gewerbeflächen vorangetrieben werden, denn die Stadt selbst verfügt über keine eigenen Gewerbegrundstücke mehr. Denn die Nachfrage von Gewerbebetrieben nach Grundstücken sei nach wie vor hoch, argumentierte Bürgermeister Andreas Buske. „Wir haben das Gewerbe natürlich weiter im Blick“, versprach er.
Grundsätzlich sei es die Aufgabe, immer einen Dreiklang zu wahren zwischen einer nachhaltigen, klimagerechten und auch auskömmlich finanzierten Kommune. Die Bewahrung der natürlichen Ressourcen müsse daher abgewogen werden mit der Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen und dem Aufkommen von Gewerbesteuer. „Eine Stadt ist nur dann stark, wenn sie sich ausbalancieren kann“, fasste Buske zusammen. Er verwies auch auf die Geschichte und das Spannungsfeld der Debatte, bei der die Verwaltung mehrfach von der Politik mit der Weiterführung des Planverfahrens beauftragt worden war. Parallel dazu wurden fast 4500 Unterschriften gegen eine Gewerbeentwicklung gesammelt und eingereicht. Nun ist der „Reset“-Knopf gedrückt, wie es ein Gemeinderatsmitglied ausdrückte.
