„Miss Saase“ wird nicht älter
Wenn Doris Falter durch Lützelsachsen läuft, dann braucht sie für 100 Meter manchmal ganz schön lang. Kein Wunder, so oft wird sie von Passanten angesprochen. Wie es ihr geht, wollen ihre „Saasemer“ wissen, was denn die eine oder andere Maßnahme macht, sehr oft erkundigen sich die Leute aber auch einfach nach historischen Begebenheiten. Wie es früher so war im Weinheimer Ortsteil? Wo jene Sehenswürdigkeit im Verborgenen liegt? Wer mit wem verwandt ist? Welche junge Frau wann denn eigentlich Weinkönigin war?
Doris Falter weiß auf fast jede Frage eine Antwort. Am 16. Juli feiert die frühere Ortsvorsteherin ihren 75. Geburtstag. Natürlich mit einem Empfang in der Alten Pfalz, wie es sich gehört. Aus der Weinheimer Kommunalpolitik hat sie sich weitgehend zurückgezogen, nur im Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises hat sie für ihre Freien Wähler noch einen Sitz. Von 2009 bis 2024 war sie Ortsvorsteherin, Ortschaftsrätin und Gemeinderatsmitglied in Weinheim. Grau ist sie nicht, aber eine Eminenz.
Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher müssen den Spagat beherrschen zwischen den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger, die sich bisweilen „über die in Woinem“ beschweren, und dem ordnungsgemäßen Handeln der Verwaltung, der sie ja auch angehören. Doris Falter konnte selbst in dieser unbequemen Position noch ein gutes Bild abgeben. Eine Art, die sie übrigens ihrem Nachfolger Christian Lehmann mit auf den Weg gegeben hat.
Doris Falter wurde bereits 1994 als junge Frau in den Ortschaftsrat gewählt. Bei der Kommunalwahl 2024 trat sie nicht mehr an. Sie wäre sicher ein weiteres Mal gewählt worden; denn die Bürgerinnen und Bürger Lützelsachsen, dem mit Abstand größten Ortsteil Weinheims, schätzten sie für ihr großes Engagement, ihren konstruktiven Pragmatismus, ihr Herzblut für „Saase“, dessen Geschichte und seine Menschen. Das kleine schmucke Rathaus, für dessen denkmalgerechte Sanierung sie sich so sehr eingesetzt hatte, war eigentlich ihr Zuhause.
Wenn es eine „Miss Sasse“ gibt, dann ist es Doris Falter. Sie weiß am besten, wie der Ort tickt, ist eng vernetzt und nach wie vor eine Ansprechpartnerin in allen Lebenslagen. Die Geschichte des Ortes ist ihr Steckenpferd. Das war sie immer, seit sie im „Ruhestand“ ist, noch mehr. Sie begleitet bis heute Buchprojekte, Ausstellungen, Darstellungen historischer Orte, leitet Ortsführungen und Vorträge. Im Heimattage-Jahr organisierte sie eine Ausstellung zur Geschichte des Winzerfestes, mit dem sie so eng verbunden ist. 1968 trug sie die Krone der Winzerkönigin, so wie 25 Jahre später ihre Tochter Caroline. Bekannt ist sie außerdem als engagierte Förderin der Partnerschaft mit Varces-Alliéres-et-Risset und anderer Lützelsachsener Vereine. Im Verkehrs- und Heimatverein ist sie Ehrenmitglied. Und sie wird irgendwie nicht älter. Aber am 16. Juli erst einmal 75. Ad multos annos! Roland Kern
