Weinheim ist „natur nah‘ dran“

Auf den ersten Blick sieht es ein bisschen öde aus. Aber das ändert sich sehr bald. Denn im Schlosspark unterhalb des Wehrturms Blauer Hut ist im wahrsten Sinne des Wortes der Boden bereitet für besondere Orte der blühenden Vielfalt. Seit ein paar Tagen werden die im Rahmen des NABU-Projekts „Natur nah dran“ ausgewählten Flächen in Weinheim vorbereitet, die mit Wildpflanzen insektenfreundlich umgestaltet werden.

Das bedeutet, dass sie zum Teil ausgebaggert und mit einem Gemisch aus Schotter , Sand und Kompost wieder aufgefüllt werden. Dies ist nötig, damit die Wildblumen und Wildstauden dort gedeihen können – sie benötigen einen sehr mageren Boden, um optimal wachsen zu können. „Die Flächen sehen für ein paar Wochen natürlich zunächst recht grau aus oder werden sogar mit einem neuen Parkplatz verwechselt. Doch keine Bange: schon im nächsten Jahr blühen hier die ersten Wildpflanzen für Tiere wie Mauerbienen, Stieglitze oder Schachbrettfalter“, erklärt NABU-Projektleiter Martin Klatt. „Es braucht jetzt etwas Geduld, aber in den nächsten ein bis zwei Jahren werden sich die Flächen immer mehr zu wertvollen und langjährigen Lebensräumen entwickeln.“
 
Ein weiterer Grund für den teilweisen Bodenaustausch ist, dass so die im Boden schlummernden Samen von weniger erwünschten und sich schnell ausbreitenden Pflanzen wie Melde, Knöterich oder Weißklee entfernt werden. An manchen Standorten wird die Erde an Ort und Stelle belassen, umgegraben und dann mit Wildpflanzen bestückt. Diese Methode ist weniger aufwändig, es dauert aber länger bis sich die Wildpflanzen großflächig etablieren.
 
Das Kooperationsprojekt „Natur nah dran“ von NABU und Land wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Von 2022 bis 2027 werden jährlich 15 Städte und Gemeinden gefördert. Seit 2016 wandelten 136 Kommunen bereits über 290 000 Quadratmeter naturnah um. In Weinheim kümmert sich Leon Schmiedel in der Grünflächenabteilung des Amtes für Verkehrsanlagen und Grünflächen
 
Die mit „Natur nah dran“ durchgeführten Maßnahmen sind individuell auf die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Weinheim hat mit Hilfe von Naturgartenplanerin Eva Distler ein geeignetes Konzept erarbeitet, das nun umgesetzt wird. Nun wird zunächst mit Unterstützung der Weinheimer Gartenbaufirma Firma Jan Bührer der Boden vorbereitet. . Ab Oktober werden dann Wildstauden gepflanz, Wildblumenzwiebeln gesteckt und Wildblumensamen eingesät. Davor besuchen die Mitarbeitenden eine Schulung im Rahmen des Projekts, bei der sie die Methoden genauer kennenlernen.
 
Die „Natur nah dran“-Flächen sind nicht mit den Schottergärten zu verwechseln, die für Insekten und Vögel nutzlos sind,  betont Hannah Kreß vom NABU. Zwar kommt in einige Projekt-Flächen ebenfalls mineralisches Substrat, aber immer in Kombination mit feinen Anteilen, wie Sand oder Schluff, die gewährleisten, dass die Samen ausreichend Bodenkontakt haben und Wurzeln sich ausbilden können. Ergänzt wird das mineralische Substrat durch Grünschnittkompost. So können Wildpflanzen gedeihen, die in einem Schottergarten kaum eine Überlebenschance hätten.
 
Die in Weinheim mit „Natur nah dran“ umgewandelten Flächen liegen im Schloßpark, an der Karillonstraße, Kopernikusstraße, im Bürgerpark, an der Mannheimer Straße, an der Zwei-Burgenschule und an der Varces-Anlage in Lützelsachsen. An diesen Grünflächen werden vorübergehend Schilder aufgestellt, die kurz und knapp erklären, warum Baggerarbeiten stattfinden oder Substrat aufgeschüttet wird. Später werden diese durch feste Infotafeln ersetzt, die auf die wertvollen Lebensräume für die biologische Vielfalt hinweisen.
 
 

(Erstellt am 16. September 2026)

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