Aufbruchstimmung im Ehrenamt

Kati Schmitt-Stuhlträger, Kommunikationsprofi, Gründerin und einer der Motoren der Ehrenamtsplattform „Zweiburgenhelden“, war sichtlich begeistert. „So viele interessierte Menschen waren bei einer solchen Veranstaltung noch nie“, schwärmte sie beim „1. Barcamp“ der Weinheimer Vereine am Dienstagabend im Weinheimer Rathaus. Und das mitten in der Hitzewelle.

Es war offensichtlich: Im Weinheimer Ehrenamt, bei den Vereinen und Organisationen, herrscht gerade eine Aufbruchstimmung – offensichtlich ausgelöst durch den künftigen Oberbürgermeister Michael Möslang, der die Ehrenamtsförderung als zentrales Thema in seinen Wahlkampf aufgenommen hatte.
Der gewählte neue OB gab dem „Barcamp“, das die „Zweiburgenhelden“ organisiert hatten, auch eine Priorität und nahm schon vor seinem Amtsantritt am 27. Juli daran teil.
In einem Interview mit Anja Lothschütz, Ehrenamtsexpertin bei „Werte-Wissen-Wandel“, bekräftigte er seine Ideen und Ansätze der zurückliegenden Wochen.
 
Kultur des Möglichmachens
 
„Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, betonte er, „können wir es uns nicht leisten, auf ehrenamtliches Engagement zu verzichten“. Im Ehrenamt liege gesellschaftliches  Kapital, „das wir uns hauptamtlich nicht leisten könnten“. 
Möslang rechnete vor, dass bei einem Gesamt-Haushaltsvolumen der Stadt Weinheim von rund 184 Millionen Euro etwa 1,1 Millionen satzungsgemäße Förderung des Ehrenamtes vorkommen. Die Vereinsförderung spiele also im gesamtstädtischen Kontext eine untergeordnete Rolle, gehöre aber zu den Freiwilligkeitsleistungen, bei denen der Gemeinderat überhaupt noch Spielraum hat – daher stünden sie immer wieder, auch in anderen Kommunen, zur Disposition. Dabei, so der künftige OB: „Sind das die spannenden und schönen Sachen, die eine Stadt erst lebendig machen.“  
Es sei jedenfalls ein schlechtes Signal, „wenn an kleinen Beträgen fürs Ehrenamt gekürzt wird“. Michael Möslang kündigte an, die Zuständigkeiten in einer Stabstelle Engagementförderung zu bündeln. Denn: „Was organisatorische Strukturen für das Ehrenamt angeht, haben wir noch Potenzial.“ Sein Anliegen: „Eine Kultur des Möglichmachens in die Verwaltung tragen.“
Bei den Vertretern der Weinheimer Vereine fanden solche Pläne natürlich Anklang, besonders beim Team der „Zweiburgenhelden“, die über ihre Plattform www.zweiburgenhelden.de jetzt schon in Weinheim Ehrenamt organisieren – selbst ehrenamtlich. Kati Schmitt-Stuhlträger und Sven Holland von den „Zweiburgenhelden“ hatten das Barcamp gemeinsam mit dem Referat des Oberbürgermeisters organisiert.
 
Engagement sichtbar machen
 
„Die Zweiburgenhelden wollen ehrenamtliches Engagement sichtbar machen. Vernetzung und Kommunikation leichter möglich machen“, erklärte Sven Holland, der mit seinen „Weinheimer Jugendmedien“ noch in weiteren Projekten eingebunden ist. Die Intention der Zweiburgenhelden brachte er auf den Punkt: „Damit helfen einfacher wird.“ 
Im Verlauf des „Barcamps“ meldeten sich Vereinsvertreter mit Anliegen und Problemen  zu Wort: Dabei ging es beispielsweise um Mitgliedergewinnung (Muddys Club), Kosten- und Aufwandsreduzierung bei Veranstaltungen (Verkehrsverein Lützelsachsen), Reinigung von Vereins-Sportstätten (AC), über Vielfalt und Integration in Vereinen (Stammtisch Vielfalt Mensch und AK Asyl), Motivation für Jugendliche (Amateurfunker) Klimaschutz in Vereinen (Klimaschutz-Stabstelle der Stadt) und anderen Themen, zu denen man sich austauschte.
Dr. Alexander Boguslwaski, der Vorsitzende des Museums-Förderkreises, warb um Mitstreiter bei den Plänen, das Museum zu einem kulturellen Treffpunkt zu machen. Sonja Kühn vom Stadtseniorenrat regte eine Ehrenamtsmesse an, mit der sich Weinheimer Vereine der Bevölkerung vorstellen können.
„Ich schwer begeistert von dieser Veranstaltung, von der Inspiration und den guten Gesprächen“, meldete sich Konrad Fink vom Muddys Club bei der Zusammenfassung zu Wort.
Das 1. Barcamp, so fasste Kati Schmitt-Stuhlträger zusammen, war ein Auftakt und ein Meilenstein. „Nehmen Sie den Schwung mit, versuchen Sie gleich, gemeinsam was ans Laufen zu bringen, bringen Sie Ideen in die Welt“, appellierte sie. Sven Holland regte an, die Austauschplattform der „Zweiburgenhelden“ für den weiteren Austausch zu nutzen. Mehr also auf www.zweiburgenhelden.de
Der nächste Austausch unter den Ehrenamtlichen ist gut möglich beim Ehrenamtstreffen der Stadt Weinheim am Donnerstag, 16. Juli, im Rahmen des Weinheimer Kultursommers im Schlosshof. Im Oktober ist das 2. Barcamp geplant, dann mit dem Schwerpunkt „KI für Vereine“. Der Erfolg des ersten hat Motivation geschaffen.

(Erstellt am 24. Juni 2026)

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