Ein starkes Zeichen für den Frieden

Sie wiegt eine halbe Tonne, ist fast zweieinhalb Meter hoch und trägt eine Botschaft, die wichtiger kaum sein könnte: Frieden. Seit Freitag hat diese Botschaft in Weinheim einen festen Platz. In der Rosenanlage an der Freudenbergstraße wurde die Skulptur „Calling for peace“ der Künstlerin Stefanie Welk eingeweiht.

Ein Kunstwerk, das nicht nur zum Betrachten einlädt, sondern auch zum Nachdenken. Über Krieg und Frieden, über Verantwortung und die Hoffnung auf eine bessere Welt.
Die Bürgerstiftung Weinheim hat das Projekt angestoßen und finanziert. Rund ein Jahr arbeitete die Künstlerin an der ungewöhnlichen Skulptur. Entstanden ist eine Weltkugel aus geschwungenen Edelstahlbändern, die scheinbar schwerelos über dem Rasen schwebt. In ihrer Mitte steht das Wort „Frieden“. Auf den Metallbändern sind Gedanken und Wünsche von Weinheimer Schülerinnen und Schülern verewigt.
Bei der Einweihung am Freitag kamen Jugendliche, Lehrkräfte und Gäste aus Politik und Gesellschaft zusammen. Oberbürgermeister Michael Möslang nahm das Kunstwerk mit einer Urkunde symbolisch für die Stadtgesellschaft entgegen, lobte das Engagement der Bürgerstiftung, aber auch der Lehrerinnen und Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums. Die Künstlerin Stefanie Welk stellte ihr Werk persönlich vor. Schülerinnen und Schüler trugen ihre Gedanken vor – in Gedichten und Liedern.

Mehr als ein Kunstwerk

Für Jürgen Osuchowski und Gudrun Aisenbrey, die Vorstände der Bürgerstiftung, ist die Skulptur weit mehr als ein Kunstwerk. Sie soll ein sichtbares Zeichen setzen und Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Gerade in einer Zeit, in der Kriege und Konflikte das Weltgeschehen bestimmen, sei es wichtig, sich mit dem Wert des Friedens auseinanderzusetzen. Und dabei vor allem junge Menschen einzubeziehen.
Denn die Jugendlichen haben die Skulptur entscheidend mitgestaltet. Im Werner-Heisenberg-Gymnasium beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht bei Christina Peter-Brutscher mit der Frage, was Frieden für sie bedeutet. Sie schrieben Gedichte, kurze Texte und persönliche Gedanken. Im Sommer wählten sie gemeinsam jene Sätze aus, die schließlich ihren Platz auf den Edelstahlbändern fanden.
Manche davon sind so einfach wie eindringlich: „Frieden beginnt, wenn die Welt nicht mehr weint.“ Andere spielen mit Worten und Bedeutungen: „Krieger denk mal an Krieger!“ Oder sie bringen große Hoffnungen in wenigen Worten zum Ausdruck: „Frieden beginnt mit einer Handvoll Liebe.“ Und: „Wo Frieden herrscht, da wächst die Hoffnung.“
Es sind Sätze, die zeigen, wie intensiv sich junge Menschen mit Krieg, Gewalt und Menschlichkeit beschäftigen. Und die der glänzenden Weltkugel eine ganz persönliche Stimme geben.
Doch das Projekt reicht weit über die Texte auf der Skulptur hinaus. Im Musikunterricht bei Magdalena Rentrop komponierten Schülerinnen und Schüler eigene Stücke zum Thema Frieden, darunter auch elektronische Musik. Im Kunstunterricht bei Anke Krause entstanden Malereien und Fotografien. Die Friedrich-Realschule begleitet das Projekt unter Leitung ihrer Lehrerin Ulla Büxenstein mit einer Videodokumentation.
Nicht alle Beiträge konnten auf der Skulptur selbst Platz finden. Sie sollen deshalb auf einer eigenen Homepage veröffentlicht werden. Außerdem plant die Bürgerstiftung eine weitere öffentliche Präsentation der begleitenden Schulprojekte. Kein Gedanke, keine kreative Arbeit soll verloren gehen.

Mit der Einweihung ist das Projekt für die Bürgerstiftung allerdings noch lange nicht abgeschlossen. Die Skulptur könnte einmal Ausgangspunkt eines „Pfads der Erinnerung“ werden. Er soll zu Orten in Weinheim führen, die an Kriege, Verfolgung und deren Folgen erinnern. Dazu gehören beispielsweise das Mahnmal im Stadtgarten, das Kriegerdenkmal an der Bahnhofstraße und die Gedenkstätte für die Zwangsarbeiter. So könnte aus einem einzelnen Kunstwerk ein Weg durch die Geschichte der Stadt werden. Ein Weg, der Erinnerung und Gegenwart verbindet und daran erinnert, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist.
„Das Kunstwerk soll ein sichtbares Zeichen dafür sein, dass Weinheim für Frieden, Miteinander und Verantwortung steht“, beschreibt Bürgerstiftungsvorständin Gudrun Aisenbrey die Idee.
Die glänzende Weltkugel in der Rosenanlage macht diese Botschaft nun dauerhaft sichtbar. Und sie gibt vor allem jenen eine Stimme, denen die Zukunft gehört: den jungen Menschen dieser Stadt.
 

(Erstellt am 24. Oktober 2026)

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