Stadt bekämpft Eichenprozessionsspinner am Waidsee

Professionelle Entfernung der Nester läuft – erste Wegabschnitte könnten bald wieder freigegeben werden

Mit einer aufwendigen Spezialmaßnahme geht die Stadt Weinheim derzeit gegen einen starken Befall mit Eichenprozessionsspinnern am Waidsee vor.
Seit Mittwoch ist die Weinheimer Fachfirma „Baumwerk Wolf“ mit der Entfernung der Nester beschäftigt. Drei Mitarbeiter arbeiten dabei mit einem Hubwagen und speziellen Industrie-Staubsaugern der Staubklasse H, wie sie beispielsweise auch bei Asbestsanierungen eingesetzt werden. Auf diese Weise werden die Nester samt Raupen und Brennhaaren abgesaugt und anschließend als Sondermüll entsorgt. Bereits am zweiten Einsatztag konnten zahlreiche Nester entfernt werden. Einzelne Abschnitte des Rundwegs könnten möglicherweise bereits in den kommenden Tagen wieder freigegeben werden.
Nach Angaben der Experten handelt es sich in diesem Jahr um einen besonders starken Befall. Verantwortlich dafür seien unter anderem die zunehmend milden Winter. Längere Frostperioden, die die Population der Raupen natürlich eindämmen könnten, bleiben immer häufiger aus. An einzelnen Eichen wurden am Waidsee bis zu 50 Nester festgestellt.
Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter, dessen Raupen vor allem wegen ihrer gesundheitsschädlichen Brennhaare gefürchtet sind. Ab einem bestimmten Entwicklungsstadium bilden die Raupen Millionen mikroskopisch kleiner Haare aus, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Die Haare können durch Wind über weite Strecken verbreitet werden und bleiben auch dann noch gefährlich, wenn die Raupen längst verschwunden oder die Nester verlassen sind. Deshalb stellen selbst alte oder unbewohnte Nester weiterhin ein Gesundheitsrisiko dar.
Kommt ein Mensch mit den Brennhaaren in Kontakt, kann dies zu starkem Juckreiz, Hautausschlägen, Augenreizungen und Atemwegsbeschwerden führen. In schweren Fällen sind auch allergische Reaktionen möglich. Auch Hunde und andere Tiere können betroffen sein.
Aus diesem Grund werden bei der Bekämpfung nicht nur bewohnte, sondern sämtliche Nester entfernt. Eine vollständige Beseitigung ist notwendig, da die Brennhaare über Jahre hinweg aktiv bleiben können. Eigenständige Entfernungsversuche sind deshalb unbedingt zu vermeiden. Die Stadt appelliert an Bürgerinnen und Bürger, bei einem Verdacht auf Eichenprozessionsspinner keine eigenen Maßnahmen zu ergreifen, sondern Fachfirmen für Baumpflege oder Schädlingsbekämpfung zu informieren.
Der Einsatz von Bioziden ist grundsätzlich möglich, unterliegt jedoch strengen gesetzlichen Vorgaben und kommt am Waidsee derzeit nicht zum Einsatz. Stattdessen setzen die Verantwortlichen auf die mechanische Entfernung durch Absaugung, die als besonders sichere Methode gilt.
„Der Waidsee ist eines der wichtigsten Naherholungsgebiete in Weinheim und wird gerade in den Sommermonaten von vielen Menschen genutzt. Die Sperrung des Rundwegs war deshalb keine leichte Entscheidung. Angesichts der festgestellten Nester und der möglichen Gesundheitsgefahren war sie jedoch notwendig. Wir hoffen, die Einschränkungen so kurz wie möglich halten zu können“, sagt Rafael Schleweis vom Amt für Grünflächen und Umwelt der Stadt Weinheim.
Das Strandbad Waidsee sowie das benachbarte Freizeitbad Miramar sind von den Maßnahmen nicht betroffen und können weiterhin uneingeschränkt genutzt werden.
Die Kosten für die Bekämpfungsmaßnahmen am Waidsee bewegen sich nach Angaben der Stadt im höheren vier- bis fünfstelligen Bereich.
 

(Erstellt am 05. Juni 2026)

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